fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Barack Obama-Der König des Internets vorm Amtsantritt

20. Januar 2009

Heute um 12.00 Uhr Ortszeit ist es soweit und Barack Obama tritt als erster schwarzer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein Amt in Washington D.C. an. Bis zu zwei Millionen Menschen werden diese Zeremonie auf den Stufen des Capitols live mitverfolgen. Begleitet wird diese Show der Superlative von gut 40.000 Sicherheitskräften. Noch vor fast genau einem Jahr, als Barack Obama noch ein Senator aus Illinois war und sich erst ein Mal innerparteilich gegen Hillary Clinton durchsetzen musste, hätte man wohl kaum geglaubt, dass er seinen Weg soweit gehen würde. Mittlerweile wissen wir alle, dass er auch seinen republikanischen Gegner John McCain besiegte und somit nun die Nachfolge von George W. Bush antreten wird, was wohl Milliarden Menschen auf der ganzen Welt am Fernsehen mitverfolgen und feiern werden.

Der nette Afroamerikaner von nebenan

Auch am gestrigen Martin-Luther-King-Tag, der in den USA gerade auch im Kontext zum Ehrenamt eine sehr große Bedeutung hat, konnte man den netten Afroamerikaner von nebenan, wie er sich gerne medial präsentiert, dabei bestaunen, wie er Gutes tat und in einem Obdachlosenheim die Wände strich. Unbestritten, darin ist er jetzt schon unschlagbar, er ist ein Medienwunder. Es fällt einem kaum eine Person in den letzten Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten ein, die die Medien so breit und geschickt eingesetzt hat. Dies gilt im speziellen auch für das Internet. Man muss sagen, Barack Obama ist so etwas, wie der politische König des Internets. Bei all diesen Huldigungen wird einem aber auch schnell klar, dass man in aller erster Linie von Show spricht. Wie gut diese Show funktioniert bewies auch Bono Vox, der Frontmann der irischen Rockband U2 und einer von vielen George W. Bush Gegnern, denn auch er steht hinter Obama. Merkwürdig nur, dass diese Menschen offensichtlich kein Problem mit den Angriffsplänen auf Pakistan haben und wohl auch kein Problem mit Obamas bisheriger Haltung zum Krieg im Nahen Osten.

Man darf hier wohl kaum an einen Zufall glauben, dass zum heutigen Tag der Amtseinführung in Washington D.C., langsam so etwas wie Ruhe und Frieden im Gazastreifen einkehrt. Der Gazakrieg lag genau in der Zeit, in der George W. Bush im Weißen Haus seine Koffer packte und eben der heutigen Amtseinführung. Eine große Einmischung der Weltmacht USA musste Israel somit nicht fürchten, dafür nimmt Israel scheinbar nun auch den Druck von Obama, sich als erstes nach der Amtsübernahme mit diesem Problem auseinandersetzen zu müssen. Ein erster Vorgeschmack auf das was uns erwartet. Obama überzeugte in diesem Krieg, der natürlich nicht seiner war, kein Stück. In innenpolitischen Fragen, wie zum Beispiel der Weltwirtschaftskrise, war er schon sehr aktiv, im Gazakrieg vermittelte er, dass er, der das Amt des Präsidenten  noch nicht Inne hat, noch gar nichts tun kann. Nun ist er in einigen Stunden Präsident, tausende von Menschen starben in den letzten Wochen, zehntausende von Gebäuden sind zerstört oder beschädigt, ohne das er bislang maßgeblich etwas unternommen hat. Man darf gespannt sein, was er nun tut, denn von einem stabilen und dauerhaften Frieden im Gazastreifen kann man bis zum heutigen Tag noch nicht sprechen.

Die großen Aufgaben

Der Konflikt im Nahen Osten ist aber mit Sicherheit nicht das einzige Problem von Barack Obama. Man darf auch bezweifeln, dass das Bild von ihm, welches gerade auch im Internet in den letzten Monat aufgebaut wurde, lange Bestand haben wird. Die Auflösung des Gefangenenlagers Guantanamo-Bay hat er nun schon nach hinten verschoben. Für die Bewältigung der Weltwirtschaftskrise erbat er sich schon ein Mal eine zweite Amtszeit, bevor er die erste überhaupt angetreten hat. Die Irankrise, ein weiteres großes außenpolitisches Problem, genau wie der Pakistan-Indien-Konflikt und in beiden Fällen reden wir von nuklearen Bedrohungsszenarien, lagen auch noch nicht wirklich auf dem Tisch. Bisher überzeugte Barack Obama durch Show. Eisessen mit Familie und Journalisten auf Hawaii, das große Problem mit der Auswahl des passenden Familienhundes et cetera. All dies wird in wenigen Stunden nicht mehr zählen, denn dann ist es die knallharte Politik die zählt und dann ist auch die Zeit gekommen, wo man ihn messen kann und wird. Aus einer Riesenshow wird dann ganz schnell knallharte Politrealität.

Natürlich wird mit all dem, was hier im Moment geschieht, Geschichte geschrieben, dass ist unbestritten. Natürlich zeigt sich durch die Hautfarbe und die Wurzeln von Barack Obama die Veränderung in unserer Welt. Immerhin wird am heutigen Tag ein Schwarzer auf den Treppen des Capitols, welches von Sklaven erbaut wurde, vereidigt aber man sollte auch nicht den Fehler machen und Politik von Hautfarbe abhängig machen. Man hätte sich vielleicht auch von Seiten der vielen Stars und Sternchen, die Obama so sehr unterstützt haben, vorher überlegen sollen, was dort mit diesem Messias für ein Bild aufgebaut wurde. Sollten all die Prophezeiungen des großen Wandels, der Umkehr der Welt zum Besseren, ausbleiben, was in weiten Teilen einfach realistisch anzunehmen ist, dürfte eine Welle der Enttäuschung über die Welt schwappen, die diese noch nicht erlebt hat. Es hat den Anschein, als haben sich im Vorfeld wichtige und sehr einflussreiche Strategen damit beschäftigt Barack Obama zum Präsidenten zu machen aber haben sie auch darüber nachgedacht, was dann kommt. Wir werden es am heutigen Tag ab 12.00 Uhr erfahren.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Der Frank // 20. Jan 2009 at 16:52

    Hm… viele bedenkenswerte Gedanken in dem Artikel. Allerdings: Lasst Obama doch erst mal eine Weile Präsident sein. Ich find’s ein bisschen viel verlangt, dass er noch vor Amtsantritt die Probleme der Welt gelöst haben soll. Und: Obama wird bloß US-Präsident und kein neuer Messias!

  • 2 Thomas // 21. Jan 2009 at 01:49

    “man sollte auch nicht den Fehler machen und Politik von Hautfarbe abhängig machen”

    Man muß aber ganz realistisch sehen, daß ein Politiker von der Statur Obamas als Weißer nichtmal den Hauch einer Chance gehabt hätte, überhaupt nominiert zu werden. Ohne diesen “Underdog”-Nimbus hätten ihm auch die ganze Change-Rhetorik und die völlige Ausblendung jeglicher Programmatik nichts genützt.

  • 3 Der Frank // 22. Jan 2009 at 15:08

    “Man muß aber ganz realistisch sehen, daß ein Politiker von der Statur Obamas als Weißer nichtmal den Hauch einer Chance gehabt hätte, überhaupt nominiert zu werden. Ohne diesen “Underdog”-Nimbus hätten ihm auch die ganze Change-Rhetorik und die völlige Ausblendung jeglicher Programmatik nichts genützt.”

    Das wage ich aber jetzt doch mal zu bezweifeln. Rhetorisch steckt Obama die meisten Vertreter der US-Spitzenpolitik locker in die Tasche. Und dass die ehemaligen Mitbewerber programmatisch mehr zu bieten hatten, vermag ich auch nicht zu erkennen. Abgesehen davon, dass die Mehrzahl der Wähler an Programmen wohl kaum interessiert sind/waren.

Schreib was dazu