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Die Wahrheit des Wortes

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Barack Hussein Obama 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika

21. Januar 2009

Nun ist es amtlich, seit einigen Stunden haben die USA ihren ersten schwarzen Präsidenten. Seitdem gestrigen Dienstag werden die Vereinigten Staaten von Amerika zum ersten Mal in der Geschichte von einem Afroamerikaner regiert. Es war eine bombastische Medienshow, die einem hier über den ganzen Tag geliefert wurde. Eine bis drei Millionen Menschen schauten dem Spektakel in Washington D.C. live zu. Es gab sehr viel Religion, aber auch Stars, wie zum Beispiel die 1942 geborene Aretha Franklin. Die Medien sparten nicht an vernichtender Kritik gegen den nun aus dem Amt geschiedenen 43. Präsidenten der USA George W. Bush. Natürlich war unter anderem die Weltwirtschaftskrise ein großes Thema dieses Tages, genau wie die Tatsache, dass immer wieder erklärt wurde, wer diese Welt regiert. Aber natürlich dürften auch die Glückwünsche vom Papst über Frau Merkel (CDU) bis Sarkozy nicht fehlen.

Ein überdimensionierter Gottesdienst

Nach einem sehr emotionalen Gebet und es war nicht das erste und auch lange noch nicht das letzte an diesem Tag, trat eine ältere schwarze Lady vor das Publikum, die ein bisschen wie ein überdimensioniertes graues Bonbon wirkte. Es war die weltberühmte `Queen of Soul` Aretha Franklin. Direkt nach ihrem Gesangsbeitrag wurde dann Joe Biden als Vizepräsident der USA vereidigt und er schwor mit dem Zusatz `so wahr mir Gott helfe`. Dieser Zusatz ist in dem Sinne von Bedeutung, dass es im Moment laut Medienangaben eine Klage gegen diesen Zusatz gibt, da ein Atheist der Überzeugung ist, dass in einem Staat, in dem die Kirche und der Staat getrennt sind, man so etwas nicht für eine Vereidigung verwenden dürfte. Nachdem somit der neue Vizepräsident im Amt war, ging es mit einem klassischen, extra für diesen Anlass komponierten Musikstück, weiter. Dieses musikalische Highlight, welches von einem sehr multikulturell anmutendem Kleinstorchester dargeboten wurde und den Gesamtrahmen noch ein Mal feierlicher wirken ließ, war beeindruckend. Nach diesem Beitrag war der geschichtlich so bedeutsame Augenblick gekommen und der designierte Barack Hussein Obama wurde als 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Er schwor ebenfalls mit dem gleichen Zusatz, wie zuvor Biden.

Aber es gab noch weitere spannende Details bei diesem Teil der Amtseinführung von Obama. Zum einen war da die Tatsache, dass er mit vollständigem Namen, also mit seinem zweiten Vornamen Hussein, den Schwur ablegte und genau dieser Vorname sorgte immer wieder für Probleme in den USA und wurde dadurch meistens gemieden. Noch interessanter waren allerdings die Fakten zu der Bibel auf die er den Amtseid ablegte, denn es war die Originalbibel auf die damals schon Abraham Lincoln, sein großes Idol, geschworen hatte. Lincoln der große Sklavenbefreier des 19. Jahrhunderts, auf dessen Bibel seit damals niemand mehr diesen Eid ablegte, war natürlich auch noch ein Mal ein direkter historischer Hinweis auf die tiefe Bedeutung, die man diesem Anlass zu Teil werden lassen muss. Außer das man bis zu diesem Zeitpunkt, dem Protokoll zeitlich überraschend weit hinterher hinkte, war es alles in allem eher unspektakulär aber dem feierlichen Anlass sehr angemessen. Immerhin ließen 40.000 Soldaten und 8.000 Polizisten das Schlimmste für diesen Tag erwarten, denn Obama gilt auch als einer der meist gefährdeten Präsidenten, die es jemals gab. Nachdem nun Präsident und Vizepräsident vereidigt waren, kam die mit Spannung erwartete Rede des ersten schwarzen Präsidenten der USA und für unsere Redaktion kann man in jedem Fall sagen, dass diese eine Enttäuschung war, gerade auch im Kontext zu diesem historischen Ereignis.

Mal wieder Geschichtsunterricht mit Barack

Wie schon bei seinem Besuch in Berlin und seiner Rede vor der Siegessäule, hatte es etwas von einem Vortrag aus einem Geschichtsbuch, auch wenn es inhaltlich dies Mal natürlich um andere Zeitfenster ging und der Inhalt natürlich mehr auf die USA und weniger auf Europa ausgerichtet war, was natürlich dem Anlass geschuldet war. Inhaltlich blieb er gewohnt unpräzise und bot so ein Mal mehr keine wirklich konkreten Fakten. Es ging, wie zu Beginn beschrieben, natürlich um die Weltwirtschaftskrise aber um dieses Thema kommt in dieser Zeit selbst der kleinste Stammtisch nicht herum. Das marode bzw. nicht vorhandene Gesundheitssystem wurde angesprochen ohne wirklich thematisiert zu werden und natürlich war Krieg und der Kampf gegen den Terror ein ganz großes Thema, was natürlich vor allem auch im Kontext zu seinem Vorgänger George W. Bush mit Spannung erwartet wurde. Hier gab es eine der wenigen ganz klaren Aussagen, die besagte, der Krieg gegen den Terror geht weiter. Er meinte sogar, dass es Menschen gibt, die eben auf der falschen Seite der Geschichte stehen. Diese Rhetorik ist die Welt nun schon seit acht Jahren George W. Bush gewohnt, der kleine aber feine Unterschied ist, bei Obama gibt es nicht im Ansatz die Proteste, wie bei Bush, obwohl es inhaltlich exakt der gleiche Tenor ist. Wo ist also nun der viel zitierte Wandel? Kann Obama vielleicht doch nicht so, wie er ursprünglich warb? Heißt es vielleicht bald schon `Sorry, we can`t`?

Die Rolle der deutschen Medien, genauer gesagt die des deutschen Fernsehens und damit sind die öffentlich-rechtlichen Sender genauso gemeint, wie natürlich auch die Privatsender, war ein Mal mehr einfach nur denkwürdig. Das die ARD noch am Sonntag lieber die Lindenstrasse sendete, anstatt ausgiebig über die bundesweit relevante Hessenwahl zu berichten, hatte man gerade verschmerzt, da dürfte man sich quer durch den Senderwald, Modeberatung zu den Politikern genauso anhören, wie so genaue Angaben von Christian Sievers vom ZDF, dass eine bis drei Millionen Besucher anwesend wären. Eine Grauzone die etwa zwei Mal die Einwohnerzahl von Köln betrifft. An dieser Stelle fällt es einem außerordentlich schwer, noch von professionell aufgearbeitetem Nachrichtenmaterial zu sprechen. Genau diese schwammige oder belanglose, oftmals völlig von allen politischen Inhalten losgelöste Berichterstattung ist es natürlich, die einen Politrookie, wie Barack Obama zum Präsidenten werden lassen. Über dies hinaus verhielten sich die TV-Kollegen aber auch meistens wieder sehr einseitig. Anstatt sich mit den scheinbar nicht ausreichend vorhandenen politischen Inhalten und Konzepten der Zukunft unter Obama auseinanderzusetzen, hackte man lieber ununterbrochen auf George W. Bush, der zu diesem Zeitpunkt schon auf dem Weg nach Texas war, herum. Dies gipfelte in der Aussage, dass Bush alleine die Verantwortung der Weltwirtschaftskrise tragen würde, als ob Bush in den letzten acht Jahren alleine die Welt globalisiert hätte und den Turbokapitalismus zur Weltreligion gemacht hätte. Globalisierungswahn und Raubtierkapitalismus haben ihre Wurzeln weit vor dem Amtsantritt von George W. Bush, soviel sollte bekannt sein.

Glückwünsche

Natürlich, wie es für einen solchen Anlass angemessen ist, gab es auch von den verschiedensten Seiten Glückwünsche und Geschenke. Eines der größten Geschenke gab es wohl von den Medien, was nach der Unterstützung im Wahlkampf auch nicht wirklich überraschend war. Normalerweise gilt für Politiker bzw. Regierungen eine Schonfrist von 100 Tagen bis man erste Bilanzen zieht. Von der Medienseite her wurde dieses Limit im Fall Obama auf unbestimmte Zeit nach hinten geschoben. Ein Kontrollfreifahrtsschein, der der Rolle der Medien in einer Demokratie nicht gerecht wird. Allgemein wurden in den letzten 48 Stunden merklich die Erwartungen, die Obama letztendlich zum 44. Präsidenten der USA gemacht haben, zurückgeschraubt. Also dienten die Berichte über den als Messias benannten Obama und ähnliche offensichtlich nur dem Zweck, ihn an die Macht zu bekommen. Kein gutes Licht, welches an dieser Stelle auf die Medien fällt. Denn seit der Vereidigung ist natürlich die Zeit angebrochen, wo politische Fakten zählen und nicht mehr, wer die beste Show auf die Bühne bringt.

Nicolas Sarkozy der französische Staatschef, der auch gerne Mal mit Prominews, anstatt mit Politnachrichten daher kommt, klingte sich, gar nicht unclever, direkt in die gesamte Hysterie um Obama ein und sagte, er wolle nun mit ihm zusammen die Welt verändern. Was will uns das sagen? Sarkozy bombardiert gemeinsam mit Obama Pakistan, um einen kleinen Teil der Weltherrschaft zu erhaschen? Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war da um ein vielfaches ruhiger und besonnener. Was uns in der Redaktion allerdings überraschte war, dass sie Gottes Segen an Obama schickte. Wie oft in der Menschheitsgeschichte war Religion Anlass für Krieg und Leid? Da stellt sich die Frage, ob der Westen nicht zum Teil auch auf dem Weg zu einem Gottesstaat ist. Gottesstaat erwähnen wir gerne im Kontext zu islamischem Terrorismus aber nach einer solchen Amtseinführung, muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht in der westlichen Welt ähnlich zugeht, vor allem natürlich bei der Weltmacht USA? Trotzdem schließt sich natürlich die gesamte Redaktion von fairschreiben.de den Glückwünschen an und freut sich nun auf die vielfach zugesagte, völlig neue, die Weltrettende Politik von Barack Hussein Obama. Wir werden berichten!

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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