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Die Wahrheit des Wortes

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Bald Olympische Spiele im Sudan?

14. Juli 2008

Man konnte sich leider auch in den letzten Wochen wieder ein sehr gutes Bild davon machen, dass sich gerade auch deutsche Medien mit der Kritik an China sehr zurückhielten. Man zeigt lieber die positiven Seiten die im Kontext zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking auftreten. Man berichtet über den architektonischen Wandel der Stadt oder über das Nachtleben Pekings. Dies wird die chinesischen Machthaber sehr freuen und ihnen in die Hände spielen. Was natürlich gerade auch aus deutscher Sicht als Exportweltmeister nur von Vorteil sein kann. Dass es auch anders geht, bewies am Wochenende der englische Sender BBC. Denn hier betreibt man noch kritischen und investigativen Journalismus ohne wirtschaftliche Fakten vorrangig zu behandeln. Genau diese Art des Journalismus brachte ein Mal mehr erschütternde Beweise gegen die chinesische Regierung ans Tageslicht.

China bricht Waffenembargo

Die Reportage des Senders BBC zeigt auf, dass China sich vermutlich nicht an das Waffenembargo gegen den Sudan hält. So zeigen diverse Filmaufnahmen aus der im Westen des Sudans  gelegenen Provinz Darfur, zum Beispiel einen chinesischen Militär-LKW auf dem ein Flugabwehrgeschütz montiert ist. Der sudanesische Machthaber Omar al-Bashir geht seit Jahren brutalst gegen das eigene Volk in der Unruheprovinz Darfur im Grenzgebiet zum Tschad vor. Hier kommt es zu einem unvorstellbaren Völkermord und der Vertreibung von bislang gut 2,5 Millionen Menschen. Das genau dieser Genozid nun ganz offensichtlich von den Machthabern in China konkret unterstützt wird, muss man wohl als unfassbar bezeichnen. Man darf davon ausgehen, dass sich die Herren der Ringe, wie Jacques Rogge und Thomas Bach vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gerne bezeichnet werden, hierzu nicht tiefer einlassen werden. Auf Grund dieser neuen unfassbaren Fakten sollte man als Sportler, Sponsor oder wie auch immer Beteiligter dieses sportlichen Großereignisses im Reich der Mitte, sein Engagement in Peking noch ein Mal überdenken.

Natürlich werden wieder die Aussagen kommen, dass es bei den Olympischen Spielen nicht um Politik geht und man sich in so etwas nicht einmischen möchte. Diese Floskeln sind seit der Tibetproblematik hinlänglich bekannt. Man darf aber durchaus die Meinung vertreten, dass der Genozid an 300.000 Menschen, denn so hoch beziffert die UN die Opferzahl in Darfur, nicht nur ein politisches Problem darstellt, sondern vor allem auch ein humanitäres. Weiter darf man wohl voraussetzen, dass die Olympische Idee sehr wohl auch in einem humanitären Kontext zu sehen ist. Genau aus diesem Ansatz heraus ist dann das Verhalten vieler Beteiligter im Bezug auf China nicht mehr schlüssig. Das man es in China mit Freiheit und Menschenrechten nicht so eng sieht, ist mittlerweile hinlänglich bekannt und man muss heute auch sagen, dass der Ansatz des IOC die Olympischen Spiele nach Peking zu vergeben, um an diesem Zustand etwas zu ändern, nicht im Ansatz funktioniert hat. Myanmar und Tibet, um nur zwei massive Krisenherde dieser Welt aufzuzählen, an denen China maßgeblich beteiligt ist, verhallen schon seit Wochen und Monaten. Darfur ist aber noch ein Mal eine Steigerung des Ganzen und sollte nun endlich Mal zu klaren Konsequenzen führen.

Wie hoch darf der Preis sein?

Eigentlich sollte man meinen und davon ausgehen, dass das Verhalten Chinas in verschiedenen Kontexten, wie zum Beispiel die gerade aufgezählten Länder Tibet und Myanmar ausreichen müsste, um ein Einlenken der Welt zu erreichen. Die letzten Wochen und Monate haben allerdings ganz klar gezeigt, dass China schalten und walten kann, ohne das es zu großartigen Konsequenzen der Weltgemeinschaft kommt. Dies gilt sowohl wirtschaftlich, wie auch politisch und letztendlich auch sportlich. Man stellt sich langsam aber sicher die Frage, wie hoch der Preis eigentlich dafür ist, dass die Spiele in Peking völlig normal und kritiklos verlaufen. Wenn die chinesische Regierung eine Regierung unterstützt die einen Genozid begeht, ist dies wohl kaum tolerierbar. Denn hier Reden wir nicht mehr nur von einem kulturellen Völkermord wie in Tibet, sondern von der ganz realen Ausrottung eines Bevölkerungsteils. Man darf wohl die Meinung vertreten, dass jeder und dies gilt gerade auch für die Sportler, der ohne ein Zeichen zu setzen an den Olympischen Spielen teilnimmt, sich mitschuldig macht, auch für das Grauen in Darfur.

Man muss sich nun überlegen, ob man ein solches Grauen mit seinem Gewissen vereinbaren kann und so erfolgsorientiert ist, dass man seine Stimme aus Angst vor etwaigen negativen Auswirkungen in Peking nicht erhebt. Wer so gewissenlos ist, muss sich natürlich die Frage gefallen lassen, ob er seiner Vorbildfunktion, die Spitzensportler natürlich auch immer innehaben, noch gerecht werden kann. Man muss wohl davon ausgehen, dass dem eher nicht so sein dürfte. Da, wie bereits beschrieben, nicht damit zu rechnen ist, dass auch dieser Skandal um die chinesische Machtclique, irgendwen beim IOC zum nachdenken bringen dürfte, stellt sich die Frage, ob man die Olympischen Spiele nicht demnächst direkt an Länder wie den Sudan vergeben sollte. Vielleicht bessert sich die Lage vor Ort ja dann drastisch zum positiven, wie man es auch von China lange Zeit erwartet hatte. Nun, spätestens nach diesem BBC-Bericht, gibt es die große Chance für alle Beteiligten Zeichen zusetzen, gegen die chinesischen Machthaber, wie aber auch für die Menschen in Myanmar, Tibet und dem Sudan. Man kann natürlich auch den bisherigen Kurs beibehalten und sich auch weiterhin mitschuldig machen. Dies ist eine ganz persönliche Gewissensfrage, die jeder mit sich selbst ausmachen muss.

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Kategorie: Free Tibet · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 honigbaerli // 15. Jul 2008 at 11:06

    ja wenns um geld geht ist alles legitim!!
    aber wenn man die olympiade jetzt boykottiert bestraft man nur die sportler!!

    damit es besser wird hilft nur, dass man ihre ware nicht mehr abnimmt..ist ein schweres unterfangen..aber sicher machbar…

  • 2 Patrick Bachofner // 19. Jul 2008 at 19:24

    Um das faire, sportliche Kräftemessen und Völkerverständigung, dem olympischen Gedanken also, geht es schon lange nicht mehr. Das IOC ist zu einer Clique korrupter, geldgieriger alter und skrupelloser Männer geworden, für die Ethik und Moral absolute Fremdwörter sind. Nur so ist es zu erklären, dass das wohl verbrecherischste Regime der Neuzeit den Zuschlag für die olympischen Spiele 2008 bekam. Das tibetische Volk wird unterdrückt, gefoltert und ermordet – und die ganze Welt praktiziert den Handshake mit den Tätern.
    Keine Diktatur auf diesem Planeten, die nicht durch diese Mörderriege aus Peking tatkräftigst unterstützt wird….(Sudan, Myanmar, Simbabwe etc)
    Ein Boykott mag undurchführbar sein. Aber jeder einzelne kann zumindest jegliche Berichterstattung über Olympia 08 boykottieren. Wenn die Auflagen und Einschaltquoten sinken, wäre dies zumindest ein Zeichen.

  • 3 The truth // 9. Aug 2008 at 15:49

    Mal abgesehen davon, dass ich die Olympischen Spiele eh albern finde, habt ihr alle keine Ahnung vom Sudan, seinen Völkern und dem, was dort vor sich geht, geschweige denn was eure eigenen Machthaber so überall auf der Welt abziehn, nur damit ihr hier die neusten Apple Ipods auf den Ohren und Super Bleifrei im tank habt.
    Dass Europa bis Dato den größten Teil am über 50 Jahre anhaltenden Krieg und Leid im Sudan beigetragen hat, scheint hier wohl niemanden zu interessieren. Aber es sind ja auch immer nur die anderen, denen, von ihren totalitären Systemen, jegliche, neutrale Information vorenthalten wird. Hierzulande gibt es natürlich keine politische Nachrichtensperre und Unterstützung von Völkermorden schon gar nicht – was liegt schon ferner.

    Der Antrag auf internationalen Haftbefehl gegen den Präsidenten des Sudans, welcher, bei Stattgebung, ein Machtvakuum enstehen ließe, in dem sich 40 verschiedene Militärs auf einmal bekriegen würden und das Land unter größtem, nur erdenklichen Leid langsam zerteilt würde, nur damit ihr eure Karren schön günstig mit Sprit volltanken könnt, ist der eigentliche Völkermord ihr Pfeifen. Sie erzählen euch nur den ganzen Tag das China Schuld hat, weils auf der anderen Seite der Erde liegt und damit hier keiner auf die Idee kommt, dass die eigentlichen Sklaventrteiber aus Europa kommen, wie schon die letzten 500 Jahre auch… China bezahlt wenigstens für das Öl aus dem Sudan, statt Pläne zu Schmieden, wie sie es umsonst bekommen. Und was die Waffen angeht, dürft ihr jetzt alle mal raten, welche Nation weltweit gaaaanz vorne mit dabei ist…Stichwort Exportweltmeister… Aber immer schön auf weisse Weste machen.

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