Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
5. Oktober 2011
Das Chaos um die gescheiterte Währungsunion in Europa geht in einer weitere Runde und wie mit jeder weiteren Runde, kommen auch diesmal mehr Details ans Tageslicht. Eigentlich sollte bis zur Mitte dieses Monats über weitere Griechenlandhilfen entschieden werden, genau diese Entscheidung hat man nun aber wieder einmal verschoben. Nun könnte man meinen, dass die Überschrift dieses Artikels genau auf diese Verschiebung bezogen sei, ist sie aber nicht. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, bezieht sich viel mehr auf das Ende des Euros, denn, wenn man sich die aktuellen Entwicklungen einmal aus einem etwas veränderten Blickwinkel anschaut, kann man all dies auch so deuten, dass hier ganz gezielt das Ende dieses miserabel vorbereiten Währungsmonsters betrieben wird. Alle reden immer nur von Griechenland, dabei geht es in Fragen des Euros schon längst um sehr viel mehr, wie man auch am Beispiel des Finnen-Pfands ablesen kann. Was sich hier für die Bürger Europas gerade aufbaut, ist unfassbar und kaum vorstellbar und auch dies soll wohl genauso sein, denn sonst würde es wohl bald schon zu flächendeckenden Protesten gegen den Euro und natürlich auch gegen die Europäische Union (EU) kommen. Bei all diesen Unionen geht es schon lange nicht mehr um ein Europa der Menschen, sondern um etwas ganz anderes.
EU mit Europa verwechselt?
Wenn man gegen den Euro oder die Europäische Union (EU) ist, heißt es schnell man sei gegen Europa, was natürlich völliger Blödsinn ist. Allerdings hilft diese Art des Populismus denen, die Kritik nicht haben wollen. Ein starkes Europa ist sehr wichtig und ein wirklich starkes Europa setzt vor allem den Rückhalt in der Bevölkerung voraus, genau dieser schwindet aber täglich in Rekordgeschwindigkeit. Dies liegt auch daran, dass die Menschen immer mehr realisieren, dass sowohl die Währungsunion, wie auch die EU selbst, den Bürgern kaum etwas bringt, außer eine immer massivere Bevormundung und immer mehr Schulden, die man am Ende des Tages abarbeiten muss. Man muss also festhalten, dass die EU nicht gleich Europa ist und nur weil man dieses Bürokratiemonster, welches nur einem gewissen, kleinen Kreis Vorteile bringt, ablehnt, bedeutet dies nicht im Ansatz, dass man etwas gegen Europa hätte, ganz im Gegenteil. Ein weiterer Grund für diese massiv ablehnenden Haltung ist natürlich auch in diesem riesigen Berg an so genannten Zufällen zu suchen, die einen täglich erreichen und die es in Wirklichkeit wohl kaum gibt. Nur anders kann man kaum versuchen das Fehlverhalten und Versagen der Politik zu vertuschen. Allein die Fakten im Kontext Griechenland zeigen, wie überfordert die sind, die hier die Entscheidungen treffen oder sie vertagen und Griechenland ist nur ein Baustein dieser Währungsunion, die auch schon lange alles andere als eine gemeinschaftliche Linie vertritt.
Finnland bekam gerade erst eine Sonderrolle in der Eurorettung zugesprochen, was auch wieder sehr deutlich macht, wie es hier im Kontext von Geschlossenheit aussieht. In der Gesamtheit muss man sich langsam aber sicher fragen, ob Griechenland nicht so etwas, wie die Laborratte im großen europäischen Forschungsspiel ist und wenn es hier funktioniert, hätte man ein Modell, um weitere Kandidaten aus dem Euro zu schieben und so den Untergang dann noch einmal etwas zeitlich begrenzter ablaufen lassen zu können. Natürlich braucht all dies Zeit, die man natürlich auch durch immer wiederkehrende Verschiebungen erreicht. Es ist auch völlig falsch dem Ansatz hinterherzulaufen, was in Griechenland alles gescheitert ist, denn auch dies sind keine Zufälle, sondern Zustände, die man schon seit Jahrzehnten kennt und weiß. Dies bedeutet, dass hier schlichtweg der Euro durch gravierende Planungsmängel gescheitert ist. Nun stellen immer mehr Menschen aber auch ganze Staaten, wie das Beispiel Finnland zeigt, fest, wo die Reise hinführt und so wird es mehr und mehr zu Alleingängen kommen, sowohl im Kontext der Währungsunion, wie auch im Kontext des großen europäischen Staatenbündnis. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont immer wieder, dass, sollte der Euro scheitern, auch die EU am Ende sei, vielleicht sollte sich die Kanzlerin und ihre Regierung ausreichend auf genau dieses Szenario vorbereiten.
Nationale Interessen?
Nationale Interessen müssen schon seit Jahren immer mehr einem europäischen Einheitsbrei weichen. Das Deutschland dieser völligen Machtumverteilung nicht weiterhin blind hinterherläuft, musste dem politischen Berlin auch erst höchstrichterlich erklärt werden. In Europa ist ein Gebilde geschaffen worden, welches scheinbar nur dem Zwecke dient, die europäischen Massen auszubeuten und dies gilt sowohl im Bezug auf die Finanzmärkte, also für den Euro, wie auch für die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit, wofür das Instrument der EU gewählt wurde. All dies wurde natürlich auch dadurch geschaffen, dass man den Menschen vom ersten Tag an nicht die Wahrheit gesagt hat und dies scheinbar vorsätzlich. Ein gutes Beispiel zeigte sich gerade erst durch Jean-Claude Juncker, dem Chef der Eurogruppe, versichert er doch, dass es durch die angedachten Veränderungen und Hebel des Rettungsschirms für Deutschland nicht teurer würde. Dieser Satz, dessen Wahrheitsgehalt man auch direkt wieder bezweifeln darf, bedeutet aber vor allem, dass Deutschland jetzt schon blutet und dies nur nicht noch mehr werden soll. Genau dieser Punkt wird aber zum Beispiel von der Bundesregierung immer wieder bestritten, denn hier tut man so, als würden zwar immer neue Milliardensummen beschlossen aber kosten würde all dies die Menschen nichts. Man sollte in der Politik also nicht in einigen Jahren ankommen und so tun, als könnte man sich gar nicht erklären, warum die Staatskassen so leer seien und dies gilt über alle Parteigrenzen hinweg.
Ein großes nationales Interesse, welches auch die Regierung in jedem Fall vertreten sollte, ist die Zukunftssicherung und genau die wird hier gerade verspielt. Zukünftige Generationen in Deutschland werden noch viel mehr Probleme haben, als die, die das Leben in Deutschland aktuell schon so schwer machen. Das genau dieses Schicksal vor allem auch in Luxemburg entschieden wird, überrascht auch nicht, ist dieses Land doch vor allem in der Finanzwelt so wichtig. Aber auch dies möchte man gar nicht so groß auf dem Schirm haben und tut auch weiterhin lieber so, als würde es nur um Griechenland gehen und genau dem ist nicht so. Denn die Plünderer der Neuzeit haben sich auch längst schon am deutschen Staatshaushalt zu schaffen gemacht und niemand sollte später auf den Einfall kommen, wenn einmal mehr wieder mehr Eigenverantwortung von den Bürgern verlangt wird, genau diesen auch die Schuld für die Situation zu geben. Natürlich sagt es viel über die aktuelle Politik in Deutschland aus, dass hier wichtige nationale Interessen einfach so verkauft werden. Der Fakt, dass es sich hierbei aber eben um die Parteigrenzen überschreitende Sachverhalte handelt, stellt natürlich auch noch einmal mehr die Frage in den Raum, wie es in Deutschland ganz allgemein um die Demokratie bestellt ist. Jeder bisher in die Eurorettung geflossene Cent, wie natürlich alle noch folgenden oder auch zugesagten ebenfalls, sind verbrannte Steuergelder und wie der Zustand Deutschlands zeigt, ist dies kein Land, welches soviel Überschuss erwirtschaftet, dass es sich einen solch kapitalvernichtenden bzw. kapitalverschiebenden Kurs erlauben könnte.
Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft































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