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Die Wahrheit des Wortes

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Auch Daimler überwachte Mitarbeiter

16. April 2009

Nun ist es auch bei Daimler ans Tageslicht gekommen. Auch hier überwachte man ganz offensichtlich einen Teil der Belegschaft in Bremen. Dies geschah scheinbar ganz systematisch im Kontext von Krankheitsdaten. Die Liste wird immer länger. Lidl, Telekom, Deutsche Bahn usw. Man bekommt gut 20 Jahre nachdem Fall der Mauer in Berlin das Gefühl, als würde mindestens auf der wirtschaftlichen Ebene systematisch überwacht. Die Politik ist sehr zurückhaltend bei diesem Thema aber was will gerade auch die Regierung schon sagen, schließlich versucht man auch dort, wo es nur geht die Privatsphäre auszuspähen, also wäre es natürlich auch ziemlich verlogen nun gegen die Wirtschaft zu opponieren. Man sollte sich in Deutschland überlegen, ob Überwachung und Kontrolle nicht an ganz anderer Stelle her muss.

Mangelnde Überwachung

Immer wieder ereilen uns die Nachrichten, dass in deutschen Betrieben die Belegschaften in den verschiedensten Kontexten und mit verschiedenen Mitteln überwacht bzw. überprüft werden. Immer wenn sich dann ein weiterer Großkonzern in diese Reihe einreiht, heißt es auch ganz schnell, dass es sich nur um einen Einzelfall handelt. Im aktuellen Beispiel von Daimler in Bremen, reden wir nun aber schon wieder bei genauer Betrachtung von 40 Einzelfällen und wir reden natürlich auch immer nur von dem was ans Tageslicht gelangt und man darf davon ausgehen, dass die Dunkelziffer hier erheblich ist. Die Gründe für solche Überwachungen die vorgetragen werden, sind auch immer interessant zu verfolgen. Es geht um Korruptionsbekämpfung oder um bessere Einsatzmöglichkeiten von Mitarbeitern. Kurz gesagt man versucht dieses Verhalten auch noch zu rechtfertigen, es als etwas positives für das Unternehmen darzustellen. Aber was ist das für eine Unternehmenskultur in Deutschland, die sich hier immer mehr aufbaut und doch phasenweise an die DDR erinnert?

Überwachung und Kontrolle wird in Großkonzernen offensichtlich sehr großgeschrieben. Erstaunlicherweise bezieht sich diese Kontrolle aber nur auf gewisse Bereiche, denn mit den sinnvollen Überwachungsmechanismen die dieses System vorsieht, scheint es nicht immer so gut zu funktionieren. Viele Konzerne stecken plötzlich tief in der Weltwirtschaftskrise oder gehen gar in Konkurs und alle sind überrascht. Man fragt sich oftmals, warum Kontrollorgane, wie zum Beispiel Aufsichtsräte, von solchen Entwicklungen nichts mitbekommen. Hier scheint die Überwachung einfach nicht zu funktionieren. Im Hause der Deutschen Bahn will Hartmut Mehdorn nichts von der Bespitzelung der gesamten Belegschaft gewusst haben, dass kann man doch Mal völligen Kontrollverlust nennen. Wenn Konzerne meinen, dass Überwachung ein Unternehmen nach vorne bringt, sollten sie wohl an anderer Stelle ansetzen, als sie es im Moment scheinbar in breiter Masse tun. Denn so wie es ausschaut, läuft in dieser Wirtschaft sehr vieles völlig unkontrolliert und wo uns das hingebracht hat, sehen wir nun täglich alle in den Nachrichten.

Die Krankenakten der Elite

Woolworth hat Insolvenz angemeldet, BASF weitet die Kurzarbeit aus, die schweizerische UBS baut massiv Stellen ab, dies ist nur ein winziger Ausschnitt der Wirtschaftsnachrichten aus den letzten Tagen. Man mag wohl sagen, dass wenn in einigen Fällen an höherer Stelle nachhaltiger kontrolliert worden wäre, die Weltwirtschaftskrise in diesem Maße nicht hätte stattgefunden und damit würde es diese Negativschlagzeilen gar nicht geben. Aber so überwacht man weiter die Kassiererin und den Fließbandarbeiter und schreit an der Spitze immer direkt, dass zu viel Staat nicht gut sei, wenn man hier mehr Kontrolle fordert. Das ist soweit auch richtig, allerdings muss man auch berücksichtigen, dass es auch durchaus die Aufgabe der Politik ist, die Wirtschaft in die Schranken zu weisen, wenn sie systemrelevante Fehler macht. Immerhin geht es um das Wohl der Gesellschaft und wenn wir ehrlich sind, hält sich der Staat doch noch sehr zurück, denn hier in der Redaktion ist kein Fall bekannt, wo es den Lenkern deutscher Großkonzerne wirklich schlecht geht. Dies liegt aber auch daran, dass wir natürlich keinen Einblick in die Krankenakten der Betroffenen haben.

Genau die, die für diese Überwachungsmaßnahmen zuständig sind, sind auch die, die mangels eigener Kontrolle die Wirtschaft dort hingelotst haben, wo sie heute steht, am Abgrund. Dies ist ein Beweis dafür, dass hier besser kontrolliert werden muss, um noch schlimmeres zu verhindern. Hier besteht also ein konkreter Anlass zu handeln. Es bewegt sich allerdings nichts. Auf der anderen Seite reden wir immer wieder von einem Generalverdacht der sich zum Teil gegen ganze Belegschaften richtet und manchen anscheinend ausreicht, um flächendeckend gegen die eigenen Mitarbeiter zu ermitteln. Auch an dieser Stelle sieht man sehr schön, wo der Fehler in diesem Teil des Systems liegt. Genau hier setzt auch der Punkt an, warum es mit den bekannten Systemen so nicht weitergehen kann und darf, sie haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten in eine völlig falsche Richtung entwickelt und diese massiven Fehler, muss man jetzt korrigieren. Allerdings haben die letzten Wochen auch gezeigt, dass dies wohl nicht im ausreichenden Maß geschieht, sondern man lieber auf den alten Pfaden weiter dem Abgrund entgegen taumelt.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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