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Die Wahrheit des Wortes

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Arbeiten bis zum Umfallen – Rentenfälligkeit am Todestag

16. Juni 2011

Das Renteneintrittsalter steigt immer mehr nach oben an und die Grenze des 70. Lebensjahres kommt in greifbare Nähe. Die grundlegende Argumentation in diesem Kontext ist immer wieder die, dass auch die Lebenserwartung stetig ansteigt und natürlich die Alterspyramide völlig aus der Form geraten ist. Soweit mögen all diese Tatsachen natürlich auch richtig sein, allerdings gibt es auch viele Punkte, die in dieser Diskussion scheinbar keiner auf dem Plan haben will. Der demografische Wandel, das Ende der klassischen Alterspyramide wurde so lange im voraus prognostiziert, dass es der pure Hohn ist, wenn sich nun irgendwer überrascht zeigt oder so tut als hätte man auf diese Entwicklungen politisch nicht angemessen reagieren können. Außerdem gilt es zu berücksichtigen, dass man auch immer beachten muss, wo im Schnitt das tatsächliche Renteneintrittsalter liegt und wer überhaupt in der Lage ist so lange zu arbeiten, vom Willen einfach mal ganz zu schweigen. Der Punkt ist, dass sowohl Umweltbelastungen, wie aber auch ganz andere Krankheitsbilder als noch vor Jahrzehnten das Leben und damit auch die Arbeit immer mehr bestimmen und man fragt sich, ob man nicht auch hier wieder, wie schon in den letzten Jahrzehnten, den Realitäten hinterherläuft. Allerdings muss man auch erkennen, dass ein immer höheres Renteneintrittsalter, politisch zu mindestens kurzfristig gesehen Vorteile mit sich bringen könnte.

Zukünftig noch mehr Altersarmut?
Nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter zu arbeiten, ganz unabhängig davon wo dieses liegen mag, bedeutet auch, dass die Rente gekürzt wird, also der Staat spart. In sofern wäre es durchaus denkbar, dass es Politiker gibt die genau so denken. Desto mehr Menschen, durch eine immer höher gesetzte Einstiegsgrenze, früher in Rente gehen, desto schonender ist es für die maroden Rentenkassen. Natürlich wird so langfristig die Altersarmut ansteigen aber der Anstieg der Armut in Deutschland inklusive der damit verbundenen Spaltung der Gesellschaft, ist ein Fakt der politisch scheinbar so oder so keine allzu große Relevanz hat, wie sich auch auf ganz anderen Gebieten zeigt. Genau diese kurzfristige Denkweise ist es übrigens auch, die die Bundesrepublik Deutschland dahin gebracht hat, wo sie jetzt steht. Der Beweis ist eben auch ein völlig marodes Rentensystem, denn als man noch in der Lage war halbwegs human zu reagieren, waren den Mächtigen auch die nächsten Wahlen wichtiger, als das langfristige Wohlergehen der Bürger. So mutiert Deutschland immer mehr vom Land der Dichter und Denker zum Land der Leergutsammler und wenn man sich in den Innenstädten umsieht, stellt man schnell fest, dass längst nicht mehr nur die Obdachlosen Mülltonnen durchforsten, um etwas verwertbares zufinden, und dieser Zustand alleine, wäre für ein Land, wie eben auch Deutschland, schon schlimm genug. Dann auch noch den politischen Erfolg des Aufschwungs ständig zu propagieren, ist an Hohn schon kaum noch zu überbieten.

Wenn man sich also nun überlegt, dass man gerade erst am Scheitelpunkt dieser Entwicklung ist und der Absturz auf diesem Gebiet nun erst nach und nach Fahrt aufnehmen wird, kann man sich überlegen, wie sich das gesamtgesellschaftliche Bild verändern wird. Der nächste Punkt ist auch, dass man gerade im Moment wieder den Beweis antritt, wie sehr man den Realitäten hinterherhinkt. Nachdem Generationen an Arbeitern schwere Rückenschädigen oder ähnliches davontrugen, hat man langsam begonnen sich n diesem Bereich für mehr Schutz der Gefährdeten einzusetzen. Das Problem, welches man hier ignoriert ist, dass sich die Arbeitswelt durch den technischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte natürlich auch verändert hat und damit natürlich auch die Krankheitsbilder. Ganz davon abgesehen, dass man wohl im Moment noch gar nicht abschließend sagen kann, wie groß der Anteil derer werden wird, die später aus gesundheitlichen Gründen, wie zum Beispiel Altersdemenz oder ähnliches gar nicht mehr fähig sein werden irgendwelchen Arbeiten nachzugehen. Unterm Strich sieht man, dass man auch im politischen Berlin rein gar nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und anstatt nun endlich einmal die sich ergebenden Chancen zu nutzen, macht man lustig und munter mit der Flickschusterei weiter, als ob diese jemals zu irgendwas außer einer Ausweitung der Probleme geführt hätte.

Von der Uni in das Burn Out?
Das wohl aktuell größte Problem am Arbeitsmarkt, welches in Zukunft, sofern es keinen Systemwechsel weg vom globalisierten Raubtierkapitalismus hinzu einer gerechten Gemeinschaft gibt, noch viel größer werden wird, ist der Bereich der stressbedingten Erkrankungen. So sind allgemein psychosomatische Krankheitsbilder immer mehr auf dem Vormarsch, dies gepaart mit immer mehr Allergikern, da sich wohl eine dauerhafte Schädigung der Umwelt doch auch irgendwann auf dem menschlichen Organismus auswirkt, ist eine wirklich bedenkliche Mischung, gerade wenn man dann auch noch die Lebensarbeitszeit ständig verlängern will. All diese Faktoren berücksichtigt man, wenn überhaupt nur am Rande und tut lieber weiter so, als seien zum Beispiel Atomkatastrophen, wie der Super-GAU im japanischen Atomkraftwerk (AKW) von Fukushima gar nicht so schlimm für die Menschheit. Der ständig steigende Druck der von der Wirtschaft aufgebaut wird, um immer schneller, immer mehr Gewinn zu genieren, wird von der Politik auch nicht eingedämmt, was in einer freien Marktwirtschaft auch gar nicht zwingend notwendig wäre, da es hier als regulierendes Gegengewicht starke Gewerkschaften gibt, in Deutschland haben diese allerdings scheinbar ihre gesellschaftliche Verantwortung in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon gen Null heruntergefahren, ähnlich wie die Kirchen auch. In so einem Gesellschaftsgebilde heißt es natürlich Vollgas voraus für jeden Turbokapitalisten.

Leider gibt es auch in Deutschland noch viel zu viele Menschen, die meinen solchen Szenarios entrinnen zu können, da sie sich nur zu gerne von Soaps oder ähnlichem ablenken lassen und so den Blick für die Realität immer mehr verlieren. Dabei ist es schon seit Jahren so, dass man nach den alten Spielregeln schon gar keine realistische Chance hatte die Versorgungslücken, die einen später mindestens zum Umdenken zwingen, wenn nicht gar das direkte Ticket in die Armut bedeuten, ausreichend zu schließen. Denn würde man sich so absichern, dass für alle Eventualitäten des Alters vorgesorgt wäre, hätte man in der Gegenwart kein Geld mehr fürs Leben und hierbei sind weitere Weltwirtschaftskrise, die sehr viel Kapital verschieben oder wie man es gerne verkauft, vernichten, noch gar nicht mit berücksichtigt. Man kann sich also nun überlegen, wenn man mit Anfang oder Mitte 30 schon kurz vor dem Kollaps steht, wie man es in der zweiten Hälfte des Arbeitslebens alles noch stemmen will oder man arbeitet tatsächlich bis zum Umfallen, dies bedeutet dann, dass die Rentenfälligkeit mit dem Todestag identisch wäre, auch eine Lösung, die viele Probleme im Kontext der Rentenkassen lösen würde. Für die, die es überleben und einfach nur ein Pflegefall sind, muss man sich dann noch etwas einfallen lassen, denn erstaunlicherweise explodieren auch hier jetzt schon die Kosten und ebenso, wie das Gesundheitssystem, das Rentensystem, kollabiert natürlich auch das System der Pflegeversicherung. Man sieht sehr deutlich, dass Deutschland am Scheideweg steht und eine Veränderung im Namen der Menschlichkeit schon längst überfällig ist.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Der BALLacker » Das Aus für Ballack war keine Überraschung // 19. Jun 2011 at 14:29

    [...] Es geht nur um Leistung. Auch der Fußball ist längst komplett in unserer Leistungsgesellschaft angekommen und wenn man in dieser, aus welchem Grund auch immer, seine Leistung nicht mehr voll [...]

  • 2 Thomas // 21. Mai 2015 at 10:24

    Es ist schon unglaublich zu sehen, wie sich dieses ganze Thema mittlerweile hier bei uns entwickelt. In diesem Bereich muss sich schnellmöglich etwas tun, damit das ganze nicht noch größere Ausmaße annimmt.

Schreib was dazu