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Die Wahrheit des Wortes

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Arbeit muss sich lohnen

4. August 2010

Es gibt eine Sache die hat man in Deutschland wirklich fast völlig aus den Augen verloren und zwar der Fakt, dass sich Arbeit auch finanziell lohnen muss. Wenn man sich die aktuelle Diskussion um die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze anschaut, kann einem schon einmal anders werden, denn hier zeigt sich das Problem am aller deutlichsten. All die, die nun schreien, dass diese Sätze nicht höher werden dürfen, da sich sonst in gewissen Bereichen das Arbeiten nicht mehr lohnen würde, sollten sich fragen, woran es liegt. Es sind nicht die Hartz-IV-Sätze die das Problem ausmachen, es ist das Lohnniveau und die ständige Diskussion um Lohnverzicht, welches hier für massive Probleme sorgt. Wenn Menschen einer ganz normalen Tätigkeit nachgehen und gerade einmal soviel verdienen, dass sie davon gerade so überleben können, stimmt mit dem System etwas nicht, gerade auch wenn auf der anderen Seiten Millionen und Milliarden verschoben werden.

Gratismentalität
Ein allgemein großes Problem unserer Zeit ist, dass alles nichts mehr kosten darf und billig so unendlich wichtig scheint. Somit müssen die Güter natürlich auch billigst produziert werden und dies schafft man auf verschiedenen Wegen. Man kann die Produktion in Billiglohnländern, zum Beispiel gen Osten, verschieben, vernichtet damit natürlich hier die Arbeitsplätze. Man kann die Qualität der Produkte absenken, was aber auch nur bis zu einem bestimmten Grad funktioniert. Man kann aber natürlich auch über die Personalkosten viel Geld sparen. An dieser Stelle nimmt die Spirale ihren Lauf, denn desto weniger die Lohnempfänger in der Tasche haben, desto weniger können sie die Binnenkonjunktur ankurbeln. Ein weiterer Effekt ist, dass dann auch wieder massiver gespart wird, wo es nur geht und damit wären wir wieder bei Billigprodukten. Nicht umsonst macht ein 1-Euro-Laden nachdem anderen auf.

Man muss den Bereich der Lohnentwicklungen natürlich auch ganzheitlich betrachten, denn es geht nicht nur um die reinen Lohnsteigerungen, sondern auch um die Kosten die der Arbeitnehmer im steigenden Maße zu tragen hat. Denn was bringen einem 10 Euro mehr im Monat, wenn man 30 Euro an die maroden Krankenkasse bezahlen muss und dies scheinbar nur, weil sich die Politik nicht gegen die Lobbyisten im Gesundheitswesen durchsetzen kann. Wenn man sich dann noch ansieht, dass ein immer größer werdender Anteil an kommunalen Aktivitäten im Bereich Sport und Kultur wegfällt, da sich dieses abgewirtschaftete System Büchereien, Schwimmbäder, Theater und Museen immer weniger leisten kann, muss man auch hier auf andere Angebote umsteigen, die dann oftmals teurer sind und das private Budget noch einmal schmälern. All dies sind Faktoren, die man bei der aktuellen Debatte immer schön mit auf dem Plan haben sollte. Genau dies versucht man aber sehr gerne mit irgendwelchen Tricks zu verschleiern.

Immer mehr
Die gerade angesprochenen, weit verbreitete Gratismentalität steht nun auf der anderen Seite einer Mentalität entgegen, die an die Raupe Nimmersatt erinnert, bestes Beispiel ist der Duisburger Bürgermeister Adolf Sauerland. Die Zahl der Menschen die ihm zu mindestens eine moralische Schuld und natürlich auch eine gewisse allgemeine Teilschuld für die Katastrophe bei der Loveparade vor gut anderthalb Wochen geben, wächst täglich an, womit natürlich auch der Druck auf ihn wächst. Zu Wochenbeginn zeigte sich, dass mit seinem Rücktritt wohl nicht zu rechnen ist, er sich aber abwählen lassen möchte. Der Grund ist natürlich auch hier ein finanzieller, denn bei einer Abwahl stellt er sich finanziell wesentlich besser. Ein solches Gezocke bei 21 Toten und Unzähligen Verletzten ist da an sich schon einmal ein moralisch kaum zu unterbietender Sachverhalt. Das man für einen solchen Mann dann teilweise auch noch Verständnis in diesem Kontext in den Medien zeigt, ist völlig unverständlich.

In Deutschland werden Menschen für Kleinstdiebstähle fristlos gefeuert und hier sollte man nicht erwarten, dass irgendwer darüber diskutiert, dass diese Menschen sich plötzlich finanziell schlechter stehen. Ab einer gewissen Hierarchieebene sieht dies dann scheinbar ganz anders aus. Die Menschen dessen Einkommen in der Hauptsache auf der Übernahme von Verantwortung basiert, erlangen in Teilen der Medien auch noch so etwas wie Mitleid, wenn sie Probleme bekommen, weil sie ihrer Verantwortung scheinbar nicht im vollen Umfang nachgekommen sind und auch dies kann eigentlich nicht sein. Dem gegenüber stehen dann, wie beschrieben, Menschen die jeden Tag hart arbeiten und sich Gedanken darüber machen müssen, wie sie menschenwürdig überleben. Ein besseres Beispiel für eine reine Zweiklassengesellschaft gibt es wohl kaum. Bevor man sich Sorgen um die Zukunft von Menschen wie Herrn Sauerland macht, sollte man dafür sorgen, dass sich Arbeit für die breite Masse in der Gesellschaft wieder lohnt, um zu mindestens ein Stück Gerechtigkeit wieder herzustellen. Man muss es einfach auf den Punkt bringen, die Umstellung des Arbeitsmarktes auf den Bereich der Dienstleistungen hat bislang nur für eine Seite funktioniert und hier ist die große Ungerechtigkeit begründet.

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Kategorie: Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

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