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Die Wahrheit des Wortes

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Als die Demokratie ans Kreuz genagelt wurde

8. Dezember 2009

Während man es sich in Kopenhagen gut gehen lässt, es einfach mal Hopenhagen nennt und meint so etwas zu bewirken, verändert sich nicht nur das Weltklima, sondern vor allem auch die Gesellschaft. Beides sind Prozesse, die es seitdem bestehen der Erde bzw. der Menschheit gibt, allerdings sollte man sie auch beim Namen benennen und nicht immer so tun, als wäre man von irgend etwas überrascht worden. Natürlich kann man Märkte radikalisieren bis zum Umfallen, natürlich kann man die Veränderung der Erde, die es seit Milliarden Jahren gibt ignorieren und so tun als sei alles Schuld der Menschen und nur durch neue Märkte abzuwenden und natürlich kann man so tun, als sei die Bedeutung von Religion, sei die Bedeutung der Kirchen noch wie vor Jahrhunderten, man kann aber auch die Augen öffnen, sich der Realität stellen und dem System die Stirn bieten.

Die namenlosen Opfer
Den Menschen in Europa und in der gesamten westlichen Welt gaukelt man gerne vor in einer Demokratie zu leben, in Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. In Wahrheit sieht es wohl etwas anders aus. Die Schere zwischen den Armen und den Reichen klafft immer weiter auseinander, die Radikalisierung der Märkte ist soweit fortgeschritten, dass diese kollabieren und die so entstehenden Milliardenlöcher von den USA über Europa bis nach Dubai sollen nun die Menschen zahlen, denen man das Einkommen so oder so immer weiter kürzt und die genötigt werden immer mehr zu konsumieren, damit das System noch halbwegs läuft. Das einzige Recht, welches in diesem System noch zu zählen scheint, ist das des Stärkeren. Es ist als hätte man die Demokratie ans Kreuz genagelt, spätestens hier hofften wohl viele auf eine Intervention durch die Kirchen aber außer dem ein oder anderen Leuchtturmprojekt, versucht man sich wohl auch hier, wie schon so oft in der Geschichte, durch diesen systemischen Wechsel zu mogeln. Wobei diese Art auch von immer Menschen damit quittiert wird, dass sie sich verständlicherweise von den Kirchen abwenden.

Dieser Systemwandel fordert auch immer wieder seine Opfer, da immer mehr Menschen mit diesem System, welches zu einem großen Teil auf psychologischen Druck basiert, nicht mehr klar kommen. Die bekanntesten Opfer in diesem Jahr waren wohl Michael Jackson und Robert Enke aber auch deren viel zu frühes Ableben dürfte nichts nachhaltiges bewirken, denn all das, was kurz nach solchen Tragödien über die Medien verbreitet wird, ist bald schon wieder vergessen. Man darf auch nicht vergessen, dass wir hier nur von den prominenten Opfern sprechen und nicht von den Massen an Unbekannten. Wenn sich Menschen in der heutigen Zeit von Hamburg bis Athen mit Gewalt gegen dieses System zur Wehr setzen, redet man davon, wie menschenverachtend dieses Vorgehen ist, wenn es allerdings um die gerade angesprochenen Opfer geht, wird es doch oft gerne so dargestellt, als seien sie es selber Schuld, schließlich gibt es Antidepressiva und ähnliches. Das kann man doch einmal mehr als puren Zynismus bezeichnen. Man sollte sich angewöhnen, dass man sich nicht nur dann auf die Achtung des Lebens berufen kann, wenn es einem gerade ins Konzept passt.

Anarchie als Antwort auf die gestohlen Demokratie
Eine kleine handvoll vermeintlicher Experten und Eliten scheinen immer mehr Kontrolle zu erlangen. Es wird 24 Stunden am Tag versucht die Menschheit über die Massenmedien zu unterhalten, abzulenken und auch vielfach zu verdummen. Dies ist der beste Weg sie gut steuerbar zu halten. Ganz nebenbei entzieht man ihnen immer mehr Rechte, in dem man zum Beispiel immer mehr Monopole in der Wirtschaft einrichtet und so beliebig mit den Preisen von Lebensmittel bis Energie spielen kann. Man behauptet zum Beispiel jeder in Deutschland hätte Zugang zu ausreichend und gesunden Lebensmitteln. Richtig, jeder kann einen Supermarkt betreten (Zugang), ob er sich dann auch etwas kaufen kann, ist eine ganz andere Frage. Man hat natürlich auch die Möglichkeit immer mehr zu arbeiten, dass dies schädlich für die Familien und damit auch für die Folgegenerationen ist, scheint niemanden zu interessieren. Zu den Monopolen ist übrigens noch zu sagen, dass eine Monopolisierung natürlich auch immer zu einer Erhöhung der Systemrelevanz führt und was dies bedeutet, merkt man natürlich jetzt schon an Beispielen, wie zum Beispiel der Hypo Real Estate in München.

Es scheint massiv so, als sei die politische Macht in Deutschland und in Europa schon lange von der Politik an die Wirtschaft abgegeben worden und dies führt natürlich zu einer Entdemokratisierung der Gesellschaft. Ein durchaus bekannter Reflex auf diese Entwicklung ist die Anarchie. Genau diese Art des Widerstandes, wie wir sie im Moment mit Anschlägen auf Polizeiwachen im Hamburger Schanzenviertel oder auch auf das Bundeskriminalamt (BKA) in Berlin haben, spielt natürlich denen, die hier das System in menschenverachtender Art und Weise verändern, in die Händen. Gewalt ist keine Lösung heißt es dann ganz schnell. Dies gilt aber, wie gesagt, scheinbar nur für physische Gewalt, nicht aber für psychische. Sollte man an diesem Weg festhalten und danach sieht es auch nach den Bundestagswahlen aus, denn der versprochene Wandel ist noch nirgendwo am Horizont zu sehen, darf man davon ausgehen, dass die Gewalt von Hamburg, Berlin bis Athen erst der zarte Anfang war, denn nicht nur die Märkte radikalisieren sich mehr und mehr, sondern auch der Widerstand. Wir warnen schon seit geraumer Zeit vor dieser Entwicklung, allerdings fehlt noch immer vielen der Glaube und dies wird am Ende des Tages wohl zu einem bösen Erwachen führen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 nic // 8. Dez 2009 at 13:09

    als wir diese entwicklungen vor sechs jahren in einem internetforum diskutiert haben, galten wir noch als potentielle irre, die einfach zu viel zeit und zu viel phantasie haben. jetzt spricht selbst der spiegel von einer 80/20-gesellschaft und wie oben beschrieben kann jeder eins und eins zusammen zählen bzw. ziemlich klar erkennen, wem derzeitige entwicklungen und entscheidungen nutzen – dem bürger meist am wenigsten. trotzdem muss es meiner meinung nach nicht zwingend zur anarchie kommen. denke mal wenn sich die leute nicht hinter die gesicherten eigenen vier wände zurück ziehen können bzw jegliche sicherheit den bach runtergeht, ist eigeninitiative gefragt. außerdem wächst in krisenzeiten der zusammenhalt – wer weiß eventuell entstehen völlig neue institutionslose kooperationen, die trotz aller widrigkeiten konstruktiv arbeiten weil sie das gleiche ziel haben. das wäre zumindest eine weitere alternative, für mich die wünschenswerteste und nicht mal so utopisch denn jede bewegung bringt automatisch eine gegenbewegung in gang. spannend bleibts auf jeden fall. einen schönen tag und grüße, nicole

  • 2 nic // 8. Dez 2009 at 13:11

    p.s. meinte eigentlich, anarchie muss nicht der untergang sondern kann auch eine chance sein, vor allem wenn sich die macht so sehr in institutionen bündelt. korrekterweise muss ich also schreiben: es muss nicht in purer gewalt enden.

Schreib was dazu