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Die Wahrheit des Wortes

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Alles unter (s)einem Hut

12. Dezember 2008

Nichts beeindruckt so sehr wie Zahlen und Euros. Gerade heute, wenn das Geld knapp wird und Millionen an den Börsen verloren werden, hofft man auf bodenständige Investitionen im Ausseerland. Die sind bodenständig, denn Bad Aussee setzt auf die Baubranche. Das Beratungsunternehmen IKM stärkt den Ausseern dabei den Rücken. Bis 2015 sollen die Baumaschinen durch den Ort fahren. Und das IKM mit Dir. Bertram Mayer hat alles unter (s)einen Hut gebracht. 2,2 Mio Euro für jeden neuen Bürger

Mehr als 50 Millionen sollen nochmals investiert werden und rund 100 neue Bürger bringen. Da haben die letzten 44 Millionen für die Psychosomatische Klinik, den Neu- und Umbau der Wasnerin und das Seniorenpflegezentrum noch nicht ausgereicht. Fragt man nach dem Erfolg dieser Maßnahmen, fällt er spärlich aus. Nur 20 neue Bürger verzeichnet Bad Aussee aufgrund dieser letzten Großinvestition laut Bgm Marl. Das sind ja 2,2 Millionen pro Nase. Ob das gerechtfertigt ist, will man wissen. Und Bertram Mayer vom IKM meint, wenn man nichts getan hätte, wäre der Schaden gar noch größer geworden. Welcher Schaden? Gar jener der zunehmenden Abwanderung im Bezirk Liezen?!

Und man jammerte bei der letzten öffentlichen Gemeinderatssitzung der Stadt Bad Aussee über steigende Ausgaben in der Hauskrankenpflege und den Bevölkerungsschwund. Die magischen 5000 Einwohner sind in Wahrheit schon bald nach der Landessausstellung „Narren und Visionäre“ im Jahr 2005 unterschritten worden. Was war eigentlich mit diesen Großinvestitionen geplant? Wollte man da nicht mit dem Nachnutzungsprogramm der Landesausstellung Wohnungen für neue Bürger schaffen, erinnert sich der kritische Zuhörer wage. Aber das scheint nun vergessen. Übrigens glaubt man Jugendlichen das Ausseerland mit günstigen Mietwohnungen schmackhaft zu machen. Hat man da ebenfalls darauf vergessen, dass Jugendliche und auch die anderen Einheimischen Arbeit brauchen? Denn die Tourismusbetriebe verfügen zunehmend über deutsches Personal. Die gesamte Mannschaft an der Front der Wasnerin ist aus Deutschland, die „housekeeper“ sind Einheimische. Da werden nostalgische Erinnerungen wach. Das hatte man doch schon vor gut 100 Jahren, als die Wiener Bürger mit ihrem eigenen Dienstpersonal zur Sommerfrische anreisten. Die Einheimischen waren damals auch die „housekeeper“. Das ist gelebte Tradition!

Zurück zur Entwicklungsrichtung Ausseerland 2009. Mutig sind sie, die Berater und die Gemeinde Bad Aussee. Denn dort laufen die Maßnahmen der RegioZ zusammen. Im Leitbild steht zwar etwas von „Gesundheit und Kultur“, die KAGES verfolgte das Ziel „Gesundheitspark Ausseerland“ mit dem Bau der Psychosomatischen Universitätsklinik. Doch jetzt heißt es Marschrichtung „Meisterstadt Bad Aussee“. Also ist doch viel durcheinander gekommen. Einmal links und einmal rechts. Was auf der Strecke bleibt sind Arbeitsplätze, die über den Tourismus, den Handel und die Baubranche hinaus gehen. Und neue Gründer braucht das Land. Da muss ein Gründerzentrum her. Aufmerksame wissen, dass das Gründerland Obersteiermark ein Projekt des IKM ist, ebenso wie die RegioZ des Ausseerlandes, die Landesausstellung 2005 „Narren und Visionäre“ und das Konzept der Innenstadtentwicklung Bad Aussee mit der neuen Verkehrslösung. IKM wohin man schaut. Selbst die Gemeinderatssitzung wird vom IKM mit veranstaltet. Eines muss man ihm lassen, dem Bgm. Marl: Er geht auf Nummer sicher und verlässt sich auf seine Berater.

Jugend raus und Kurgast rein

Auf der Strecke bleibt eine mutige und beherzte Jugendpolitik, weil die Ausseer Jugendlichen per Verordnung den Kurpark nicht benützen dürfen. Der ist für Kurgäste da. Wagt sich doch ein Grüppchen Jugendlicher in den Park, dann kommt der Wachdienst und sorgt für „Ordnung“. Der Bgm Marl warnt: Die neue öffentliche Toilette im Kurpark möchte er nur zu den dafür vorgesehenen Bedürfnissen benützt sehen. Geht er gar selbst nachschauen?Ach ja, das Projekt JuzforYOU des Jugendzentrum Ausseerland hat im Sommer 2008 aufgezeigt, dass Jugendliche keine Plattform haben, und Alternativen für deren Freizeit völlig fehlen. Kein Wunder, denn die Innenstadt soll Verkaufsstadt werden. Eine „Meisterstadt“ braucht die Jugend nicht, die braucht nur Meister und Hochkarätiges. Das passt auch in den Tenor des Bgm. Otto Marl, der bei der Bürgerinformation im Oktober verkündete, dass man die „Wurstsemmeltouristen“ hier nicht will. Der finanzkräftige Kurgast ist es, auf den man aus ist. Man kann gespannt sein, was sich Bertram Mayer mit seinem IKM gemeinsam mit der Stadtgemeinde Bad Aussee ausdenken wird, wenn die kaufkräftigen Kurgäste ausbleiben und die Meister auf ihren meisterlichen Produkten wegen der Finanzkrise sitzen bleiben. Gar verkauft man dann den Loser als Filmkulisse an Hollywood.

AMW

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Kultur · Medien · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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