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Die Wahrheit des Wortes

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Alle Daumen nach oben

22. April 2010

Ist es nicht schön in einem Land wie Deutschland zu leben? Während unsere Nachbarn trudeln, gar drohen abzustürzen und das von Portugal, Spanien über Italien bis nach Griechenland, zeigen hier alle Daumen nach oben. Staatsverschuldung, massive Probleme am Arbeitsmarkt und weiterhin eine miserable Binnenkonjunktur, wer will da bitte schon etwas von hören? Hauptsache der DAX klettert fein und die Bonifikationen fließen, könnte es da etwas schöneres geben? Man mag nicht daran denken was passiert, wenn dieses Land aus diesem schönen von Medien und Politik genährtem Traum erwacht aber wer will auch schon aus einem schönen Traum geweckt werden, vor allem dann, wenn die Realität so aussieht, wie sie in Europa auch nach dem Ende des ersten Quartals aussieht. Es gibt allerdings auch Warnung und die sollte man einfach mehr nach vorne stellen, bevor die Probleme schlagartig da sind und mal wieder alle überrascht sind.

Das Hoch beim DAX
Um die 5 Prozent ist der DAX seit Jahresbeginn gestiegen, dass sind doch auch einmal mehr richtig gute Nachrichten. Am Rande hört man auch immer wieder, wie wenig Handelsvolumen hinter diesen Bewegungen steckt aber wen interessieren schon Hintergründe, wenn es nur aufwärts geht. Die Frühjahrsgutachten versprühten in der letzten Woche auch wieder durchaus Optimismus, denn auch hier zeigten die Daumen tendenziell nach oben. In den Medien hört man schon wieder, dass die Talsohle endlich durchschritten sei. Da kann doch gar nichts mehr schief gehen, oder? Man fragt sich nur, wenn alles so toll läuft, warum die Politik zum wiederholten Male fordert, das Kurzarbeitergeld schon wieder zu verlängern. Dies klingt nicht gerade nach einem soliden Arbeitsmarkt und vor allem klingt es nach noch mehr Staatsverschuldung. Damit sind wir wieder da, wo dieses Land schon seit längerer Zeit steht, das Volk wird mit Maßnahmen ruhig gestellt, die die nächsten Generationen teuer bezahlen müssen.

Aber nicht nur die folgenden Generationen werden bezahlen müssen, denn man muss sich zum Beispiel überlegen, was das in der letzten Woche, pünktlich zum Auftakt der richtig heißen Landtagswahlkampfphase, veröffentlichte Steuerreformpaket der FDP bedeutet. Ganz einfach, wieder weniger Entlastung für das Volk. Man muss hier positiv anmerken, dass immerhin ein kleiner Bruchteil dessen, was man den Wählern vor der Bundestagswahl im Herbst letzten Jahres versprochen hatte, auch gehalten werden soll. Wenn man sehen will wie dies bei den Wählern ankommt, muss man sich nur die Umfragewerte der FDP anschauen. Dem gegenüber stehen natürlich auch die leeren Kassen. Wobei natürlich immer noch Luft für Notkredite für Griechenland von 8,4 Milliarden Euro da ist und auch die Haushaltslage schon länger bekannt war. Man sollte es einfach einmal umgekehrt ausprobieren und völlig überschuldet zur Bank gehen und diese bitten einen großen Betrag an den noch klammeren Nachbarn zu überweisen, dass Gelächter der Bankmitarbeiter dürfte wohl riesig werden. Auf politischer Ebene sieht das natürlich anders aus, denn hier verbürgt man sich einfach mit dem Volk und im Notfall eben auch mit den kommenden Generationen.

Die Ruhe vor dem lauen Lüftchen
Vieles in diesen Tagen wird aber auch gerne auf die am 09. Mai anstehenden Landtagswahlen im einwohnerstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen geschoben. Es ist richtig, dass dies eine sehr entscheidende Wahl wird, denn sollte die aktuelle Regierungskoalition aus CDU und FDP die Macht im Land am Rhein verlieren, gibt es auch keine Mehrheit mehr im Bundesrat und da hat die SPD schon erklärt, wie sie die Regierungspolitik noch weiter torpedieren möchte. Sollte dieses Szenario zum Fakt werden, würde dies bedeuten, dass es entweder Neuwahlen auf Bundesebene geben müsste, was man sich gar nicht vorstellen mag oder aber das Land steht vor einer weiteren langen politischen Durststrecke, die scheinbar in diesem Staat zur Gewohnheit wird. Die Wirtschaft dürfte all dies einfach nur freuen, denn so lange die Politik mit sich selbst beschäftigt ist, anstatt sich um die Belange derer zu kümmern, die sie gewählt haben, kann man weiter den totalen Raubtierkapitalismus installieren. Ob es das ist, was die Bürger wirklich wollen, darf doch stark bezweifelt werden.

Man sieht so sehr deutlich, dass man gar nicht tief kratzen muss, um an die Realitäten dieses Landes zu gelangen, es müssten nur viel mehr Menschen tun. Denn so schön es sein mag medial betäubt zu produzieren und zu konsumieren, so heftig könnte der Kater beim Wiedereintritt in die Realität werden. Egal wie oder viel mehr aus welcher Richtung, schon spätestens im Mai wird es die erste Ladung Realität geben von Wahlergebnissen in Nordrhein-Westfalen, die ein bundespolitisches Erdbeben auslösen könnten, bis hin zur Steuerschätzung und anderer tickender Zeitbomben, wie die der Maut, die in der letzten Woche auch wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Wird sich dieses System nicht zu mindestens in Deutschland ganz knallhart ändern, wird es irgendwann richtig kollabieren und dann kann man wirklich sagen, dass die letzte Weltwirtschaftskrise, also die in der wir uns noch immer befinden, nur eine Kleinigkeit war. Hier zu müsste man dann natürlich einräumen, dass dies etwas sehr Positives wäre und man auch dann wieder sagen könnte: `Daumen nach oben für Deutschland`.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Sakird Serdar // 23. Apr 2010 at 06:39

    Um einen übergreifenden Blick über die Geschehnisse zu erhalten, schaut man auf die Bilderbergkonferenzen; welche Entscheidungen von welchen Reichen getroffen werden und wie diese von den örtlichen Politikern umgesetzt werden. Und vergisset nicht, es gibt keine Zufaelle !

    Aus der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Council_on_Foreign_Relations Das CFR:

    Kritik [Bearbeiten]

    Die Gesellschaft wird von verschiedener Seite mit Argwohn betrachtet. In einigen rechten Kreisen wie zum Beispiel der John Birch Society steht das CFR im Zentrum von Verschwörungstheorien, die nachweisen wollen, dass hinter seiner Arbeit wahlweise der Kommunismus, das Streben nach einer neuen Weltordnung oder die Illuminaten[3] stehen würden.

    Von linksliberaler Seite wird der Einfluss des CFR zwar ebenfalls stark bewertet, sie sehen ihn allerdings als die zentrale Schnittstelle zwischen der US-amerikanischen Außenpolitik und der gesellschaftlichen Elite. „Der Council ist das entscheidende Verbindungsglied zwischen den großen Konzernen und der Regierung“ äußerte sich der amerikanische Politologe William Domhoff 1975 gegenüber dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel und stellte fest, dass „die Wichtigkeit dieser Vereinigung für das Verständnis der Grundmotive und der Grundlinien amerikanischer Weltpolitik kaum hoch genug veranschlagt werden kann“ obgleich „die allermeisten Bürger dieses Landes, das sich für das bestinformierte Gemeinwesen aller Zeiten hält, keine Ahnung von der Existenz eines solchen privaten Gremiums haben“.

    DER HIER RELEVANTE ENTSCHEIDENDE SATZ IST:
    „Der Council ist das entscheidende Verbindungsglied zwischen den großen Konzernen und der Regierung“

    Viele deutsche Spitzenpolitiker und Manager haben in den vergangenen Jahrzehnten vor dem Council on Foreign Relations gesprochen, so Helmut Kohl, Klaus Kinkel, Willy Brandt, Fritz Erler, Heinrich von Brentano, Hermann Josef Abs, Fritz Berg, Theodor Heuss, Erich Ollenhauer, Joschka Fischer.

    Der Autor dieser Website wird bei Interesse hier eine riesige und ergiebige Quelle finden, um die tatsaechlichen Geschehnisse zu interpretieren.

Schreib was dazu