fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

Alabama bis Winnenden-Hatte Gott Urlaub?

12. März 2009

Wenn man sich die letzten Tage und Stunden anschaut, stellt sich schon die Frage nach Gott. Es stellt sich die Frage danach, warum Gott solche Tragödien, wie die des Amoklaufs von Geneva in Alabama, aber natürlich auch die schreckliche Bluttat von Winnenden in Baden-Württemberg zulässt? Außer diesen religiösen oder je nach Betrachtungsweise auch philosophischen Fragen, werfen solch schreckliche Taten aber auch ganz irdische Fragen auf. Da sich der Täter von Winnenden, der 17 Jahre alte Tim K., nachdem er 15 Menschen getötet hatte, selbst das Leben nahm, versucht man nun krampfhaft bei den Lebenden nach einem Motiv zu suchen. Außerdem erstellt man Konzepte, wie man solche schrecklichen Taten in Zukunft verhindern kann. Auffällig hierbei ist die Tatsache, dass die Frage nach der Schuld der Gesellschaft ebenso unpopulär ist, wie die zu Beginn gestellt Frage nach Gott.

Winnenden eine Kopie von Geneva?

Circa acht Stunden vor dem Amoklauf in Winnenden, lief im Bezirk Geneva in Alabama in den USA ein 28 Jahre alter Mann Amok und tötete 10 Personen, bevor er sich selbst das Leben nahm. Etwa sechs Stunden vor der Tat in Baden-Württemberg, chattete der spätere Amokschütze von Winnenden im Internet und kündigte sein Bluttat mit einer genauen Ortsangabe an. Die Ernsthaftigkeit dieser Ankündigung wurde den anderen Chatbeteiligten fatalerweise erst im Rahmen der Berichterstattung über die Tat klar. Der Täter Tim K. stammt aus einem scheinbar soliden, gutbürgerlichen Elternhaus. Sein Vater ist im Schützenverein und verfügte so auch legal über 15 Schusswaffen, sowie gut 4.600 Schuss Munition. Die Waffen, wie auch die Munition wurden ordnungsgemäß, bis auf eine Faustfeuerwaffe, in zwei Waffenschränken die mit einem achtstelligen Code gesichert waren, aufbewahrt. Man geht mittlerweile davon aus, dass der Amokläufer allerdings genau diesen Code kannte. Wie die bisherigen Ermittlungen des Landeskriminalamtes (LKA), welches mittlerweile auch von Kräften des Bundeskriminalamt (BKA) unterstützt wird, ergaben, feuerte der Täter alleine in der Albertville-Realschule, wo er im letzten Sommer einen durchschnittlichen Realschulabschluss gemacht hatte, 44 von insgesamt 112 Schüssen ab. Danach flüchtete er und brachte weitere unschuldige Menschen um, bevor er sich selber das Leben nahm.

Die Bilanz dieser grauenvollen Tat beläuft sich auf 15 Tote ohne den Täter selbst. Die Frage, die gerade auch im Kontext zum gerade geschilderten Ablauf vor der Tat aufkommt ist, inwieweit der Täter Kenntnis vom Amoklauf in Alabama hatte und man diesen als Initialzündung werten muss. Denn die Tatabläufe sind doch erschreckend ähnlich. Wenn man hier nun die Überlegungen der Kopie dieser Tat zu Grunde legt, muss man auch festhalten, dass es bislang auch schon einen enormen Anstieg an Trittrettfahrer gegeben hat. So gab es seit dieser Tat unter anderem Androhungen von Amokläufen in Pforzheim, Stuttgart, Ulm, Metzingen, Freiburg und Esslingen und man muss davon ausgehen, dass noch weitere folgen werden. Was natürlich auch noch ein Mal eine ganz andere Tragweite des Geschehens aufzeigt. Und natürlich ist es erschreckend mit anzusehen, wie die Anzahl der Amokläufe weltweit immer weiter ansteigt. Genau dies zeigt natürlich auch das Aggressionspotenzial in unserer Gesellschaft. Nun wird natürlich fieberhaft an Präventionsmaßnahmen für diesen besonders grausamen Bereich der Kriminalität gearbeitet. Wobei man davon ausgehen muss, dass die im Moment diskutierten, immer wieder in solchen Situationen auftretenden Vorschläge, auch dies Mal nicht für mehr Sicherheit sorgen werden, weil sie sich allesamt auf die Symptome beziehen, allerdings das Übel nicht an der Wurzel packen.

Ballerspiele und Schützenvereine

Auf dem PC des Täters von Winnenden fand man so genannte Ballerspiele oder auch Ego-Shooter. Sein Vater war, wie bereits erwähnt, im Schützenverein und hatte seinen Sohn auch immer wieder als Gastschützen mitgenommen. Da scheinen doch alle Fakten geklärt zu sein. Nein! So einfach darf man sich das nicht machen, wenn man ein wirkliches Interesse daran hat so etwas in der Zukunft zu verhindern. Nachdem schrecklichen Amoklauf von Erfurt, wo am 26.04.2002 ein 19 Jahre alter Täter 16 Personen tötete, bevor er sich selbst richtete, ging es um genau die gleichen Argumente, wie auch dies Mal. Waffengesetze müssten verschärft werden und wurden auch verschärft, aus Schulen sollten Hochsicherheitslehranstalten gemacht werden etc. Was völlig zu fehlen scheint, ist nach Ansätzen dieser grausamen Taten in der Gesellschaft zu suchen. Keine Sicherheitsschleuse und kein Waffengesetz dieser Welt, wird einen überzeugten Amokläufer an der Verwirklichung seines Planes hindern, dass sollte allen mittlerweile klar sein. Aber warum wird ein 17 Jahre alter Mensch zum Amokläufer, vielleicht sollte man sich dieser Frage ein Mal viel mehr annehmen, als über Waffengesetze zu philosophieren. Bei diesem Täter reden wir von einer durchschnittlichen Person, mit normalen, altersangemessenen Hobbys. Er war kein Alkoholiker und auch nicht drogenabhängig. Und auch wenn er sich 2008 in einer Behandlung wegen einer Depression befand, ist er noch lange kein völlig irres Mitglied dieser Gesellschaft.

Wie zu Beginn erwähnt, mag man es nicht, wenn man an dieser Stelle fragen stellt, wie zum Beispiel die, wo Gott im Moment dieses Massakers war und man mag auch keine Fragen danach, welche Relevanz die Gesellschaft in diesem Kontext hat aber genau hier liegt wahrscheinlich ein Lösungsansatz. In einer Welt die nur noch auf Profit und Höchstleistungen ausgerichtet ist, wächst selbstverständlich auch an den verschiedensten Stellen der Unmut über genau solche Systeme. Und natürlich ist der Druck und der Egoismus der in unserer Gesellschaft aufgebaut wird, für Kinder und Heranwachsende meistens noch viel schlimmer als für Erwachsene. Die Ventile über die betroffene Personen ihren Druck ablassen, sind verschiedenartig und ganz offensichtlich ist ein Amoklauf nichts anderes als ein immer häufiger verwendetes Ventil in genau diesem Kontext. Wenn man dieser Tage mit den Alltagsproblemen, die natürlich gerade auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen, noch ein Mal wesentlich massiver geworden sind, nicht mehr klar kommt, die Umwelt, das persönliche Umfeld einen zum Looser abstempelt und keiner da ist der einem zuhört, kann dies zu einer fatalen Katastrophe führen. Da sich der Druck in dieser Gesellschaft wohl zukünftig noch eher verschlimmern, als verbessern wird, was wohl auch für den Egoismus gilt, werden uns solche Taten, wie die von Geneva aber auch Winnenden, auch weiterhin begleiten.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Gesellschaft · Politik

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Angelika M. Wohofsky // 12. Mrz 2009 at 17:10

    In Österreich berichten die Medien, besagte Beretta wäre im Schlafzimmer des Vaters gelegen, frei zugänglich. Ich frage mich, was hat eine Handfeuerwaffe im Schlafzimmer zu suchen? Trendiges Sex Toy?

    Und ich frage mich warum man nicht nach dem Sinn solcher Aktionen formulieren darf? Denn für den Täter machte der Amoklauf Sinn. Statt dessen wird versucht an Objekten wie Gesetzen, Sicherheitsvorkehrungen zu basteln. Würden wir nach dem Sinn auf der Täterebene forschen, könnten sich vielleicht Antworten ergeben, die der Hochleistungsgesellschaft alles andere als ins Konzept passen. Aber das haben wir ja nicht gelernt, weil ein naturwissenschaftliches Weltbild die Sinnfrage aussen vor lässt, sie hat keine Relevanz für die zu erforschende Kausalität. Liegt es also am System?

    Auch bezeichnete Tim K. sein Vorhaben als “gepflegt grillen” und entschärfte die Idee dann mit einem “ich trolle nur.” Was ist das für eine Sprache? Welcher Cyber-Welt entspringt sie? Ich stellte derartige Fragen in einem professionellen Netzwerk und wurde dumm zurecht gewiesen, wollte wissen warum zB. auch Werbung “verführen” will und man im Marketing “dominieren” muss. Antworten rund um Darwin bekam ich. Die Gesellschaft spaltet sich anscheinend in zwei Extreme. Und bietet damit genug Munition für ein Pulverfass auf gesellschaftlicher Ebene. Ich kann nur hoffen, dass wir in diesem Jahr nicht den Kopf einziehen müssen, wenn die Fronten aneinander geraten. Dass sie es tun werden, nehme ich persönlich stark an.
    AMW (Chefredaktion Österreich von fairschreiben)

Schreib was dazu