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Die Wahrheit des Wortes

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Adolf Hitler kehrt zurück

8. Juli 2008

Nun ist es sicher, Adolf Hitler kehrt zurück in das Wachsfigurenkabinett Madame Tussauds in Berlin. Nachdem am Samstag, zur Eröffnung der Berliner Niederlassung von Madame Tussauds, ein 41 jähriger Besucher das extra für diesen Teil der Ausstellung abgestellte Wachpersonal zur Seite schubste und der Wachsfigur von Adolf Hitler den Kopf abriss, soll die Figur nun schnellst möglich wieder an ihren Platz zurückkehren. Wie Natalie Ruoß, die Leiterin des Marketingbereiches von Madame Tussauds mitteilte, handelt es sich bei Adolf Hitler um `einen entscheidenden Teil in der Berliner Geschichte, der nicht verleugnet werden kann.` Dem ist selbst im Sommerloch nichts hinzuzufügen. Es ist aber immer wieder erschreckend, wie mit solch oberflächlichen Sachverhalten, wie sie am Samstag auftraten, Stimmung gemacht wird.

Diktaturen in Deutschland

Adolf Hitler ist ein Teil der deutschen Geschichte, dies kann man als unbestritten festhalten. Außerdem ist diese Aussage erst ein Mal völlig ohne jegliche Beurteilung der Person oder der Handlungen dieser Person. Ebenso kann man auch die Präsentation der Wachsfigur in Berlin ansehen. Ein Mal davon abgesehen, dass die Attacke auf die Hitler-Wachsfigur dem Wachsfigurenkabinett richtig gute PR brachte, bleibt die Frage, was der Täter erreichen wollte. Was plant er als nächstes, eine Attacke auf alle Schulbücher Berlins, um die Seiten auf denen Adolf Hitler abgebildet ist, herauszureißen? Scheinbar plant er nichts in dieser Richtung, sondern bereut seine Tat. Womit die Frage nachdem Grund der Attacke auch weiterhin offen bleiben dürfte. Es zeigt aber vor allem eines, den völlig falschen Umgang in Deutschland mit Thema Geschichte. Das Kapitel Adolf Hitler ist mit Sicherheit das dunkelste in der deutschen Geschichte aber es gibt auch weitere Episoden der deutschen Geschichte die man ähnlich fragwürdig angeht.

Nehmen wir die Aufarbeitung der Geschichte der DDR. Auch hier muss man von einem Unrechtsregime sprechen. Auch hierbei sprechen wir von einer Diktatur. Einem System, welches auf Spitzeln aufbaute. Natürlich ist all dies nicht mit dem Dritten Reich vergleichbar aber es bleibt auch ein Teil dunkler deutscher Geschichte. Man darf nicht vergessen wie viele Systemkritiker, wie viele anders denkende zu Unrecht weggesperrt wurden. In beiden Fällen Reden wir von Diktaturen in Deutschland im letzten Jahrhundert. In beiden Fällen hat man vielfach das Gefühl, dass völlig falsch mit diesen Teilen der deutschen Geschichte umgegangen wird. Es wird in beiden Bereichen über das Ziel hinausgeschossen und das ist eher schädlich, wenn es um den Schutz der heutigen und zukünftigen Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland geht. Genau dies sollte aber eines der Hauptziele im Kontext zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte sein. Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen.

Alle oder Keiner

Im Bereich der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands ist es oftmals so, dass ganz Deutschland bis in die aktuellen Generationen hinein eine Schuld treffen soll. Dies kann nicht und sollte nicht Sinn einer solchen geschichtlichen Aufarbeitung sein. Hier werden Menschen zu Tätern eines Systems gemacht, welches Jahrzehnte bevor sie überhaupt erst geboren wurden, schon vernichtet war. Natürlich hat man als Deutscher eine Verantwortung Demokratie zu leben und zu schützen, allerdings sollte diese Verantwortung jeder Mensch auf der Erde haben, egal woher er stammt oder welche Geschichte seine Vorfahren hatten. Hier immer von einer unendlich andauernden Schuld von nicht betroffenen Personen auszugehen ist der falsche Ansatz und wird in den heutigen Generationen auch als nicht mehr angemessen angesehen.

Auf der anderen Seite hat man bei der Aufarbeitung des Unrechtsregimes der DDR oftmals das Gefühl, dass es hier nur Opfer und gar keine Täter gab. Dieser Teil der deutschen Geschichte ist wesentlich jünger als das Nazideutschland. Hier leben die meisten Opfer und Täter noch. Da ist es umso unverständlicher, warum man hier zum einen mit einer gewissen Nostalgie an die Sachlage herangeht und zum anderen warum nicht klarer über die Täter gesprochen wird. Unabhängig von der prozentualen Gewichtung von Opfern und Tätern in diesem Land und natürlich von der riesigen Grauzone dazwischen, bleibt auch hier der Fakt, dass es ganz klare Täter gab. Genau diese Personengruppe stellt sich aber gerne als Opfer dar, als Opfer der Geschichte, also als Opfer der damaligen bzw. heutigen Gesellschaft. Dieses Extrem kann genauso wenig gut sein, wie das vorher genannte. Vielleicht sollte man es in Deutschland ein Mal mehr mit Sachlichkeit im Umgang mit der Geschichte versuchen.

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Kategorie: Gesellschaft · Politik

Bis jetzt 5 Kommentare ↓

  • 1 honigbaerli // 8. Jul 2008 at 14:41

    in vielen belangen bin ich mit dir einig..und habe auch einen disbezüglichen Post bei mir ins netz gestellt..
    was die exDDR betrifft wird da immer nur von dem gesprochen was schlecht war…es gibt aber auch sachen die im System DDR beser gelöst war…ich habe sehr gute freunde die die zeit fast vollständig in der DDR verlebt haben, und die sprechen nicht so negativ wie die die die DDR nur von aussen her kennen!

    es hat jedes System seine unzulänglichkeiten ein system ist nie perfekt!!
    das wars was ich zu dem Fall noch anmerken wollte!!

    gruss aus der Schweiz
    Andy

  • 2 Martin S. Hagen // 8. Jul 2008 at 17:42

    Wachsfiguren-Attentat: Biete einen Kasten Bier!

    http://martin-hagen.blogspot.com/

  • 3 spottdrossel // 8. Jul 2008 at 22:16

    Eine Teilschuld gebe ich auch der Zeitung mit den großen Buchstaben, die Titelseite erweckte den Eindruck, Adolf steht da “zwischen den ganzen Stars”. Das Wachsfigurenkabinett stellt eben nicht nur Prominenz, sondern (oder ursprünglich in erster Linie) auch Personen aus der Geschichte dar. Wenn ich mich richtig erinnere, stehen in London auch Jack the Ripper und andere “nette” Gestalten, von der die Generation DSDS noch nie was gehört haben wird.
    Mit dem Sommerloch wirst Du schon Recht haben, wenn grad keine Schnappschildkröte auf der Flucht ist, muß halt Adolf für Schlagzeilen sorgen.

  • 4 Thorsten // 16. Jul 2008 at 10:16

    Eindeutig Sommerloch: Adolf Hitler steht als Wachsfigur bereits seit den 1950er Jahren im Wachsfigurenkabinett in Hamburg steht – und bisher hat sich niemand darüber echauffiert oder der Figur gar den Kopf abgerissen.

  • 5 arnepeter // 28. Jul 2008 at 19:47

    Naja, wer vom “Unrechtsstaat” DDR plappert, beweist nur seine Unkenntnis (oder seine ideologische Verblendung oder seine ideologischen Absichten). Lest mal die Bücher vom Rechtsanwalt Heinrich Hannover, der das staatliche Unrechtsgeschehen in der Bundesrepublik aufarbeitete. Niemand wird bestreiten, dass es auch Unrecht in der DDR gab, aber im Vergleich zur Bundesrepublik und erst recht zum Hitlerstaat war die DDR keinesfalls ein Unrechtsstaat. Und was ist mit dem millionenfachen Unrecht der Arbeitslosigkeit? Ein Verstoß gegen die Menschenrechtscharta der UNO! Das hat es in der DDR nicht gegeben. Auch keine Bombenabwürfe auf fremdes Territorium wie 1999 auf Belgrad. Das war Völkerrechtsbruch. Ebenso wie der Afghanistan-Krieg.

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