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Die Wahrheit des Wortes

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Ablehnung des Papstes von Madrid bis Berlin?

9. September 2011

In gut zwei Wochen besucht Papst Benedikt XVI. seine alte Heimat und tourt durch Deutschland. Man wird sehen, ob ihm hier die gleichen Wellen der Ablehnung entgegenschlagen, wie noch zuletzt in Madrid, wo er bei sehr vielen Menschen nicht willkommen war. Ein Grund hierfür sind die wahnsinnigen Kosten, die solche Besuche natürlich verursachen und man fragt sich, ob solche Ausgaben in Zeiten rasant ansteigender Armut und einer unfassbaren Hungersnot in Ostafrika wirklich noch irgendeinen Sinn machen. Man muss natürlich auch festhalten, dass gerade Papst Benedikt XVI. PR braucht, denn es sieht in diesen Tagen so schlecht für das Christentum aus, wie lange nicht mehr und da man scheinbar nicht bereit ist, etwas an den Gründen für diesen Zustand zu verändern, braucht es halt verdammt gute PR, um nicht noch mehr ins Abseits zu geraten. Es wird mittlerweile natürlich auch sehr kaufmännisch an Fakten, wie zum Beispiel auch einen Papstbesuch, herangegangen und auch dafür liegt ein maßgeblicher Grund beim Vatikan, denn man war nicht bereit sich in einem angemessenen Maß gegen die Auswüchse des globalisierten Raubtierkapitalismus einzusetzen und hat so nun auch mit einer der vielen Negativpunkte dieses Wirtschaftssystems zu kämpfen, denn vor der Sinnfrage, steht auch hier die Rentabilität.

Viel zu spät
Beim Weltjugendtag in Madrid erlebte man zum ersten Mal so etwas, wie eine der Situation angemessene Kritik an den wirtschaftlichen Entwicklungen in der westlichen Welt durch den Papst und man muss einfach festhalten, dass dies viel zu spät kam. Ein Wirtschaftssystem, welches eine kleine Minderheit bevorzugt und die große Mehrheit auf der Strecke lässt, sorgt natürlich auch für Unmut in der breiten Masse. Wenn diese nun feststellt, dass sich der Vatikan und allen voran natürlich Papst Benedikt XVI. hier mit Kritik absolut zurückhält, kehren die Leute auf der einen Seite natürlich der Kirche immer mehr den Rücken zu und auf der anderen Seite akzeptieren sie auch nicht im Ansatz mehr alles, was die Kostendiskussion sehr schön verdeutlicht. In diesem Sinne wird es auch sehr spannend zu sehen sein, ob der Papst in Deutschland, einem strategisch so wichtigen Land dieses Wirtschaftssystems in Europa, seine Kritik weiter ausbaut oder ob man in Spanien doch nur ein Strohfeuer erleben dürfte. Fakt ist, es gibt auch in Deutschland, gerade auch im Kontext der steigenden Armut, genug Punkte, die man von Seiten der Kirchen massiv kritisieren sollte, will man nicht auch noch den Rest an Glaubwürdigkeit verlieren. Die Gesellschaft hat sich komplett verändert und dieser Prozess ist noch in vollem Gange und die Kirchen sind mittlerweile dabei den Anschluss völlig zu verlieren, auch dies belegen Szenen, wie man sie in Madrid erleben konnte.

Es wäre wohl nicht korrekt zu behaupten, dass gerade auch die katholische Kirche sonderlich tolerant wäre. Genau auf dieser Basis darf man sich dann natürlich dort auch nicht wundern, wenn einem an manchen Punkten Intoleranz von anderer Seite entgegenschlägt. Die Kirche hat viele Möglichkeiten sich wieder besser zu positionieren aber dies wird wohl kaum mit PR-Gags, wie einem zwitschernden Papst, gelingen. Mit genau solchen Aktionen erreicht man eher noch das Gegenteil. Hinter all den Möglichkeiten, die sich dem Papst bieten, stehen natürlich aktuell noch Probleme, die unbedingt angefasst werden müssen, um die Position zu verbessern. Eine Möglichkeit wäre es auch sich noch eindeutiger zu den westlichen Bomben in Libyen zu äußern oder ähnliches, wobei hier wahrscheinlich ein großer Interessenskonflikt im Vatikan entstehen dürfte, denn nicht nur, dass sich die abgeerntete westliche Welt hier neue Einflussbereiche schafft, wie es doch scheinbar immer deutlicher wird, kann die Kirche hier auch gleich im Fahrwasser mitfahren und auch neuen Boden gutmachen. Es ist halt eine andere Form des Kampfes der Kulturen. Vielleicht ist auch dies einer der Gründe, warum man an dieser Stelle auch keine angemessenen Statements aus Rom bekommt. Nun steht Deutschland, wie gesagt, als nächstes auf der Agenda und man darf sehen, ob hier nachhaltige und angemessene Versuche unternommen werden sich positiver zu positionieren oder ob es am Ende des Tages doch wieder einfach nur weitergeht, wie bisher auch immer.

Das Weihwasser des Papstes
Der größte Punkt, den es klar anzusprechen gilt, sind natürlich die unvorstellbaren Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Dieser Skandal, der so weite Kreise gezogen hat und sich natürlich auch nicht nur auf Deutschland bezieht, ist noch nicht einmal in Ansatz angemessen behandelt worden. Nun stellt der Deutschlandbesuch eigentlich die perfekte Kulisse dar, um hier einen Kurswechsel zu beginnen. Da Papst Benedikt XVI. dieses Thema aber scheut, wie der Teufel das Weihwasser, muss man wohl davon ausgehen, dass auch hier die Situation bleibt, wie sie schon so lange ist und dies ist einfach nur unbefriedigend. Die Menschen warten, dass sollte man auch im Vatikan begreifen, vor allem sollte man dort allerdings wissen, dass die Menschen nicht ewig warten und sich immer mehr abwenden und anderen Glaubensformen zu wenden. Auch ein Thema, welches man in der wirklichen Tiefe einfach ignoriert und versucht auszusitzen, dies wird aber nicht funktionieren, denn von dieser Art haben die Menschen schon mehr als genug aus dem Bereich der Wirtschaft und der Politik. Dies Menschen wollen Klarheit und Positionen mit denen sie etwas anfangen können, woran sie eben glauben können. Wird ihnen dies bei den Kirchen nicht geboten und genau da scheint die aktuelle Situation drauf hinzuweisen, leben sie ihren Glauben anders aus und Möglichkeiten gibt es an dieser Stelle in Hülle und Fülle. In Berlin wird der Papst die ganz große Bühne haben, da kann man von ausgehen, die Frage ist nur, was mit dem Rest ist, denn die Kritiker werden nicht weniger, sondern, wie in den heutigen Tagen auch immer wieder deutlich festzustellen, eher mehr.

Ein Punkt für die aufkeimende und sich ausbreitende Kritik ist natürlich auch im Kontext der Hungersnot im Osten Afrikas zu sehen. Denn auf der einen Seite hat man auch hier ein wenig das Gefühl, dass die Kirchen sich wesentlich engagierten zeigen könnte und dies vor allem in den letzten Jahren und Jahrzehnten hätten tun müssen, denn diese Krise war mehr als absehbar. Auf der anderen Seite muss man auch ganz deutlich sehen, dass die zu Beginn des Artikels gestellte Frage nach dem Sinn solch teurer Reisen, in Zeiten, wo im Osten Afrikas Menschen im großen Stil verhungern, neben der rein wirtschaftlichen Frage, auch vor allem eine Frage von Ethik und Moral darstellt. Auch hier gilt, durch alle angesprochenen Kritikpunkte hinweg, dass die katholische Kirche und der Chef im Vatikan, Papst Benedikt XVI., alles andere als ein gutes Vorbild sind. Man muss in jedem Fall ganz klar festhalten, dass die sich ausbreitende Kritik an den Kirchen mehr als berechtigt ist und sollte sich der eingeschlagene Kurs nicht in kurzer Zeit ganz massiv verändern, kann man davon ausgehen, dass sich die Kritik noch massiv verstärken wird und dies natürlich analog zu den Austrittszahlen, mit denen auch nicht nur die deutschen Kirchen zu kämpfen haben. Wie gesagt, Deutschland ist schon lange nicht mehr Papst, denn auch dieser Bonus wurde leichtfertig verspielt aber vielleicht bietet Deutschland die Möglichkeit so etwas, wie ein Comeback zu starten, wobei viele Leute auch den Glauben an genau eine solche Kehrtwende schon lange verloren haben und nicht nur diesen Glauben.


Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Der BALLacker » Spanien 2012 // 14. Mrz 2012 at 08:41

    [...] heterogen sind. So liegen die Einwohnerzahlen Andalusiens, Kataloniens, der autonomen Gemeinschaft Madrid und der Region Valencia zwischen rund fünf und acht Millionen. In den kleinsten Regionen [...]

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