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Die Wahrheit des Wortes

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80 Jahre Helmut Kohl

5. April 2010

Vor zwei Tagen war es soweit und Altkanzler Helmut Kohl (CDU), der Kanzler der Einheit, feierte seinen 80. Geburtstag. Da man dies nicht  nur in den Kleinanzeigen Berlin lesen konnte, nahmen wir es als Anlass um auf einige der wichtigsten Stationen dieses bewegten Politikerlebens zurückzublicken. Kohl (CDU) prägte wohl eine ganze Generation und steht für tiefgreifende Veränderungen in Europa. Durch seine Ziehtochter und heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reicht sein Einfluss bis in die politische Gegenwart. Ob dies unbedingt etwas Positives ist, soll zu diesem Anlass nicht in der Tiefe diskutiert werden. Seine Auftritte in der Öffentlichkeit waren zuletzt vor allem durch die Folgen seiner schweren Krankheit gekennzeichnet. Man muss dabei auch immer berücksichtigen, dass man von stolzen 80 Jahren spricht und seine berufliche Karriere, wie auch immer man sie bewerten mag, bestimmt keine entspannte war. 26 Jahre lang war Helmut Kohl (CDU) Mitglied des Deutschen Bundestags (MdB), er war Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz und eben 16 Jahre lang Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.

Nachfolger eines politischen Urgesteins
Helmut Kohls (CDU) Karriere nahm in der Zeit von 1969 bis 1976 Fahrt auf, denn in dieser Zeit regierte er Rheinland-Pfalz. Ab 1974 regierte ein gewisser Helmut Schmidt (SPD), der bis zum heutigen Tage als eines der politischen Urgesteine der Republik zählt, die Bundesrepublik Deutschland. Zwei Jahre später, also im Jahr 1976 wurde auch Kohl (CDU) Mitglied des Deutschen Bundestages und schon sechs Jahre später, als die Koalition zwischen der SPD und der FDP zerbrach, kam er 1982 an die Macht und wurde der sechste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Die 1980er waren eine politisch nicht gerade einfache Zeit in Deutschland, aber welche Zeit ist das schon? Der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) tobte genauso, wie auf internationaler Ebene der Kalte Krieg. Europa, wie auch Deutschland war geteilt und durch einen Eisernen Vorhang getrennt. Was sich in den folgenden Jahren seiner Amtszeit tun sollte, ist bis zum heutigen Tag fast kaum vorstellbar aber nahm natürlich auch nicht immer nur positiven Einfluss auf Deutschland und Europa. Denn vieles was damals im Freudentaumel großer politischer Prozesses geschah, holt uns jetzt wieder ein.

Helmut Kohl (CDU) war maßgeblich am Einigungsprozess in Europa beteiligt, welches es in der heutigen Form ohne ihn wahrscheinlich nicht geben würde. Wobei angemerkt sei, dass gerade in der momentanen Situation die Frage aufkommt, wie lange dieser Teil seines Lebenswerk wohl noch Bestand haben wird. In der heutigen Situation scheint es durchaus möglich, das die Europäische Union (EU) in der Form, wie wir sie jetzt noch kennen, nicht ewig hält, um es einmal ganz vorsichtig zu formulieren. Eines wird aber wohl noch lange Zeit Bestand haben und das ist der Mauerfall in Berlin und die damit verbundene Wiedervereinigung Deutschlands und dieses historische Ereignis, welches sich im letzten Jahr zum 20. Mal jährte, zählt unbestritten zu seinen größten Erfolgen. Allerdings zeigt sich in diesem Zusammenhang auch eine seiner größten Fehleinschätzungen, wenn man davon ausgeht, dass er das Volk nicht belogen hat. Blühende Landschaften ist das Thema, welches ihm bis in die Gegenwart schwer zu schaffen macht. Die Träume und Sehnsüchte die er damit in der Bevölkerung weckte und die sich nicht erfüllten, führten letztendlich auch zu seinem politischen Aus als Bundeskanzler nach 16 Jahren im Jahr1998. Damals mag manch einer gedacht haben, dass diese Entscheidung vorschnell war, jetzt weiß man, dass dem nicht so war, denn die blühenden Landschaften gab es nie und wird es scheinbar in dieser Form auch niemals geben.

Kohls Untergang
Diese Niederlage, die dazu führte, dass er im Amt von Gerhard Schröder (SPD) beerbt wurde, der dem Land die Agenda 2010 brachte und damit Deutschland auch nicht wirklich voranbrachte, um auch dies vorsichtig zu formulieren, sollte allerdings politisch gesehen nicht seine größte Niederlage sein. Der politisch größte Tiefschlag den er einstecken musste, war die CDU-Spendenaffäre, aus der er zwar juristisch durch eine 300.000 DM Geldauflage herauskam, sich allerdings politisch nie von ihr erholen sollte. In diesem Kontext wendete sich selbst seine politische Ziehtochter und heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von ihm ab und das obwohl sie ohne ihn wohl kaum das wäre, was sie jetzt ist. Andere Politiker aus dieser Ära, wie zum Beispiel der heutige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), überstanden diese Affäre da doch um ein vielfaches unbeschadeter. Man darf auch nicht vergessen, dass diese Affäre Kohl (CDU) auch den Ehrenvorsitz in seiner Partei kostete. Das diese Spendenaffäre bis jetzt noch nicht ausgestanden ist, macht auch der Prozess gegen den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber klar, der im Moment vor dem Landgericht in Augsburg läuft und es bleibt abzuwarten, welche Wellen dieser noch schlagen wird.

Man muss wohl in jedem Fall festhalten, dass Helmut Kohl (CDU) Deutschland in einer gewissen Weise sowohl innenpolitisch, wie aber auch außenpolitisch weitergebracht hat. Es wird sich wohl niemals ganz klären lassen, wie sich die Geschichte Deutschlands und natürlich auch Europas entwickelt hätte, wenn er den Menschen, dass was in der Folge bis zum heutigen Tag auf sie zu gekommen ist, damals gerade ins Gesicht gesagt hätte. Vielleicht wusste er es auch wirklich nicht oder wollte es sich nicht vorstellen. Fakt ist aber natürlich auch, dass vieles nicht so gelaufen ist, wie die Bürger der Bundesrepublik Deutschland es sich vorgestellt hatten. Ob es sich gelohnt hat? Wir maßen es uns hier in der Redaktion nicht an dies zu beurteilen, denn der Prozess läuft noch immer und selbst die gesamte Zeit nach der Gründung der Republik bis in die Gegenwart zu beurteilen wäre übereilt, denn grundlegende Fakten können sich in kürzester Zeit schwerwiegend verändern, wie die aktuelle Weltwirtschaftskrise beweist. Es wird wohl noch einige Jahrzehnte brauchen, um das Erbe Helmut Kohls (CDU) abschließend beurteilen zu können. Was feststeht ist, dass seine 16 Jahre Kanzlerschaft Deutschland und Europa maßgeblich verändert haben und das er als ein bewegender Kanzler in die Geschichte eingegangen ist und auch deshalb gebührt einem solchen Menschen Respekt, weshalb wir ihm auf diesem Weg auch alles Gute zu seinem 80. Geburtstag wünschen.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

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