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Die Wahrheit des Wortes

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50 Jahre Mauerbau – Nur ein paar Jahrzehnte

15. August 2011

Am vergangenen Samstag exakt vor 50 Jahren war es soweit, obwohl angeblich niemand die Absicht hatte eine Mauer zu errichten, geschah genau dies. Damit war es vollbracht, die westliche Welt hatte ihr Gegengeweicht, den Ostblock. Mit dem Bau des antifaschistischen Schutzwalls war einer der Höhepunkte des Kalten Krieges erreicht. Die Welt hatte sich einmal mehr nachhaltig verändert und dies nicht ohne eine große weltpolitische Lüge, diese sollten sich übrigens, gerade auch im Bezug auf Deutschland, in den folgenden Jahrzehnten noch mehr manifestieren. Es wirkt fast so, als sei damals eine politische Mode etabliert worden, die sich später mit Aussagen über blühende Landschaften, sichere Renten und das ständigen Ende der Weltwirtschaftskrise fortsetzen sollte. Man merkt an diesem Jahrestag aber auch wie schnelllebig alles ist. Wenn man vom Bau der Berliner Mauer spricht, spricht man mittlerweile über ein halbes Jahrhundert, welches seit damals vergangen ist und in diesen fünf Dekaden sollte sich einiges verändern und diese Veränderungen waren vielfach nicht im Ansatz so gut, wie man es sich vorgestellt hatte oder es auch immer wieder von den verschiedensten Politikern verkauft bekam. Heute, 50 Jahre nach diesem so dramatischen Ereignis, sind die Zeiten nicht minder dramatisch, denn es gibt mittlerweile ganz andere Feindbilder und Europa steht kurz davor in Flammen aufzugehen.

Zwei Jahrzehnte
Es ist nun gut zwei Jahrzehnte her, dass der Spuk der 1961 begann auch wieder vorbei war. 1989 fiel die Mauer und in der Folge endet mit dem Fall des Eisernen Vorhangs auch der Kalte Krieg. Alles sollte nun viel besser werden, die alten Feindbilder waren Geschichte, Kommunismus und Sozialismus waren weitgehend vom Kapitalismus besiegt worden und ein endgültig vereintes Europa war so gut wie vollbracht. In den heutigen Tagen weiß man, was man von all dem zu halten hat. Es gibt längst ganz neue Feindbilder und die Welt ist nicht im Ansatz friedlicher oder besser geworden. Natürlich stehen sich nun nicht mehr zwei mächtige Blöcke gegenüber, die sich gegenseitig mit Massen an Atomwaffen bedrohen und die Welt in der Angst leben lassen, dass es jeden Tag mit dieser vorbei sein könnte aber eine Bedrohungslage, wie man sie im Moment sieht, kann man in keiner Form als besser einstufen. Der Kapitalismus, den man damals so sehr feierte, geriet immer mehr außer Kontrolle, es entstanden Begriffe, wie Raubtierkapitalismus und Wirtschaftsterrorismus, womit große Probleme der heutigen Zeit auch schon bestens beschrieben wären. Außerdem hat man vielfach das Gefühl, dass längst schon jeder gegen jeden kämpft und man somit eigentlich auch gar nicht mehr so genau wissen kann, wo der Feind nun eigentlich gerade lauert. Freund und Feind entscheidet sich in der heutigen Zeit nur allzu direkt an wirtschaftlichen Interessen und dies noch wesentlich radikaler, als es noch vor Jahrzehnten der Fall war.

Um dies gut zu beschreiben, reicht im Moment ein Blick nach Libyen, wo die vereinte westliche Allianz einen Krieg führt, um den dortigen Staatschef Muammar al-Gaddafi vom Thron zu stürzen. Genau dieser Tyrann, wie man ihnen mittlerweile gerne nennt, war einmal ein guter Freund der Europäer und man hatte im sogar verziehen, dass er einst in Europa Flugzeuge vom Himmel bombte und auch in Berlin für Tote und Verletzte sorgte. Nun haben sich die wirtschaftlichen Interessen aber eben geändert und somit entstehen natürlich ganz neue Bedingungen, die an eine solche Freundschaft geknüpft sind und Gaddafi erfährt gerade, was passiert, wenn man sich auf diese Bedingungen nicht einlassen will. Mehr und mehr versteht man aber auch in der westlichen Welt, dass der Sieg des Kapitalismus nur sehr temporär zu sehen war, denn der große Führer der kapitalistischen Welt, die USA sind bei genauer Betrachtung zahlungsunfähig. Nur mit viel Glück schaffte es Amerikas aktuellster Hoffnungsträger, Barack Obama, die Verkündung des Staatsbankrotts gerade noch einmal durch eine mehr als umstrittene Anhebung der Schuldenobergrenze zu umgehen. In Europa selbst sieht es auch nicht besser aus, nachdem man kleinere Staaten, wie zum Beispiel Irland, Portugal und Griechenland geschlachtet hatte, scheinen nun die großen an der Reihe zu sein und man widmet sich mittlerweile Kalibern, wie zum Beispiel Frankreich und kann wohl schon die Uhr danach stellen, wann Deutschland auf dem Schlachtplan steht. Ganz plötzlich ist das Ende des Euros so nah, wie nie zuvor und damit ist am Ende des Tages die gesamte Europäische Union (EU) in Gefahr, deren Fortbestand man immer wieder an die Währungsunion gekoppelt hat.

Ein Jahrzehnt
Es ist nun gut ein Jahrzehnt her, dass ein neues Feindbild abschließend aufgebaut war. Es war die Stunde des islamistischen Terrors gekommen und die USA wurden mit 911 auf eigenem Boden angegriffen und mit dem World Trade Centre (WTC) wurde ein großes Zeichen der westlichen Welt zerstört, eines der Symbol des Kapitalismus ging zu Boden. Wenn man es einfach betrachten möchte und sich mit oberflächlichen, an den meisten Stellen mit Fehlern behafteten Theorien zufrieden gibt, ist die Antwort, dass ein Netzwerk um den Topterroristen Osama bin Laden hinter alldem steckt, ausreichend gegeben. Beschäftigt man sich allerdings tiefer mit all den Geschehnissen des letzten Jahrzehnts, bleiben im Kontext des Kampfes der Kulturen, wie man diese blutigen Nachfolgeveranstaltung de Kalten Krieges auch immer wieder gerne nennt, wesentlich mehr Fragen, als Antworten. Die Machthaber der westlichen Welt und hier allen voran der US-Präsident und Friedensnobelpreisträger Barack Obama, setzen bis zum heutigen Tage alles daran, dass dieses Feindbild gehegt und gepflegt wird. So wurde besagter Kopf all dessen in Pakistan von US-Spezialeinheiten, die sehr viele auch als reines Killerkommando deklarierten, erschossen und dies obwohl er unbewaffnet war und sein Leichnam dann in Windeseile im Meer versenkt. Auch so schafft man Fakten, wie man sie braucht. Eine beängstigen Vorstellung, wenn man sich überlegt, wie man offensichtlich mittlerweile den Begriff des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten zu verstehen hat. Das man auch mehr und mehr in Form von Überwachungsstaaten gegen die eigene Bevölkerung im Westen vorgeht, natürlich unter dem Vorwand sich gegen diese, nicht wirklich nachgewiesene, terroristische Bedrohung schützen zu müssen, ist dann schon fast banal.

Die tatsächlichen, nachweislichen Hauptterroristen dieser Zeit lässt man hingegen unbehelligt ihren Terror, der immer mehr Armut und Leid auch in die westliche Welt bringt, gewähren und dies gilt im übrigen auch für das politische Berlin. Wenn sich an dieser Art nichts dramatisch verändert, könnte es, so zynisch es jetzt noch klingen mag, irgendwann einmal sein, dass man das, was vor 50 Jahren geschah, einfach nur noch als einen kleinen Pflasterstein auf dem Weg der Verdammnis der westlichen Welt ansehen wird. Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) warnte schon vor einem grausamen und blutigen Jahrtausend und wie instabil die Lage mittlerweile auch schon in Europa geworden ist, zeigt sich nicht zuletzt dadurch, dass man von Frankreich, Spanien über Griechenland bis zuletzt erst in England von bürgerkriegsähnlichen Zuständen sprechen musste. Die Spaltung der Gesellschaft wurde systematisch vorangetrieben und nun zeigen sich von den griechischen Sparopfern bis zu der verlorenen Generation, von der man in England spricht, die Folgen immer deutlicher. Gravierend ist dabei natürlich auch, dass die Machthaber, gerade auch in Europa, nicht angemessen reagieren, was man in diesen Tagen am besten in England erkennen kann, wo kaum darüber diskutiert wird, wie es zu einer solch massiven Fehlentwicklung kommen konnte, sondern man viel lieber über Wasserwerfer und Gummigeschosse diskutiert. Wenn sich dieser Trend weiter fortsetzen sollte, stehen die Chancen, dass sich die Warnungen von Schmidt (SPD) realisieren werden, leider verdammt gut und genau dieses sollte sich für die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte niemand wünschen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik · Wirtschaft

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