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Die Wahrheit des Wortes

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365 Tage Big Brother

4. Juli 2011

Nun ist es seit einigen Tagen soweit und die Cloudtechnologie hat sich wieder weiter ausgebreitet, denn nun hat Microsoft Office 365 vorgestellt. Dies bedeutet Programme, wie zum Beispiel Word, Excel und Outlook sollen zukünftig auch nicht mehr auf der eigenen Festplatte liegen, sondern irgendwo auf diesem Planeten, auf einem Server über den die Erben von Bill Gates die Kontrolle haben. Grundlegend natürlich ein toller Gedanke, wenn man aus Sicht des Computermultis an die Sache herangeht, denn illegale Kopien, die dem Konzern trotz verschiedenster Überwachungsmechanismen noch immer großen Schaden zu fügen, kann man auch so eindämmen. Dem Nutzer bringt es vor allem wieder mehr Speicherplatz, also vor allem das, was man in der Regel jetzt schon ohne Ende hat und für ganz kleines Geld in Terrabytegröße hinterhergeschmissen bekommt. Man sieht ganz klar, wer auch bei diesem Schachzug vor allem die Vorteile haben wird aber dies ist im Kontext auf dieses Unternehmen auch wirklich nichts Neues mehr. Auch hier gilt es natürlich die Gefahren, die der Bereich Cloudcomputing ganz allgemein mit sich bringt, im Auge zu behalten und man darf sich jetzt schon fragen, wie dieser Bereich wohl juristisch zu sehen sein wird.

Haftung auch hier ausgeschlossen?
Schon in der letzten Woche wurde sich auch hier mit dem Bereich Haftung auch für genau dieses Gebiet beschäftigt. Was passiert, wenn man sich ganz offiziell ein Office-Paket kauft, dies unter einem Microsoft-Betriebssystem laufen lässt und einem Schäden durch, zum Beispiel einen schweren Absturz entstehen. In der Regel darf man behaupten, dass dies ein ureigenstes Problem des Verbrauchers ist. Dies liegt natürlich auch daran, dass auch auf diesem Gebiet die Politik das EDV-Zeitalter völlig verschlafen hat und man erst langsam, scheinbar völlig überfordert und dann oftmals auch noch an den völlig falschen Stellen damit beginnt sich mit diesem Bereich in einem halbwegs angemessenen Rahmen zu beschäftigen. Noch spannender wird es natürlich, wenn sich solche Programme gar nicht mehr im direkten Einflussbereich des Nutzers befinden und man sich überlegen muss, wofür wohl die 365 im Produktnamen steht, vielleicht für 365 Tage um Funktionalität bangen. Man wird es auch hier sehen. Fakt ist, man erkennt auch hier, wie der Nutzer weiter entmündigt wird, was dem Konzern dahinter natürlich in eine noch bessere Position versetzt. Nun mag manch einer meinen, dass man diesen Trend nicht mitgehen muss und die Programme auch auf klassische Weise auf dem eigenen Endgerät weiter nutzen kann. Hier sei angemerkt, dass man am Anfang einer Entwicklung steht und ob es Programme irgendwann einfach nur noch in der Cloud gibt, bleibt abzuwarten, wäre aber bei der Unternehmensphilosophie keine Überraschung.

Eine weitere spannende Frage im Kontext der Haftung ist natürlich der Datenschutz, denn wie sicher Daten bei internationalen Großkonzernen sind, kann man immer wieder erleben, jüngstes Beispiel war vor einigen Wochen erst SONY, wo unzählige, zum Teil auch hochsensible Kundendaten gestohlen worden sind. Wie man weiß, steigt die Kriminalität gerade auf diesem Sektor rasant an und staatliche Organe haben auch hier scheinbar noch nicht im Ansatz ein Gegenmittel gefunden, was auch wieder zeigt, wie weit man auch hier der Zeit hinterherhinkt. In Zeiten in denen in der Masse wirkliche Werte fehlen, da eher Quantität anstatt Qualität gefragt zu sein scheint, wäre es wohl wichtiger sich um Datenschutz in den verschiedensten Bereichen zu kümmern, als um die Sicherungen von Balkontüren. Es scheint so, dass Internetkriminalität einfacher und sicherer ist, als in irgendwelche Häuser einzubrechen oder Banken zu überfallen und die Werte, die man hier verbuchen kann, sind auch nicht gerade klein. Sich selber in diesem Bereich zu schützen ist sehr schwer, da auch immer häufiger sensible Daten zu den Mindestangaben bei Firmen gehören, mit denen man zusammenarbeitet, sprich dort etwas erwerben möchte. Wenn dem so ist, sollte man auch 100 Prozent Schutz verlangen können und nicht mit einer einfachen Entschuldigung abgespeist werden können.

Wie der Staat profitieren könnte?
Nun muss man sich überlegen, warum die Politik, also zum Beispiel das Bundesverbraucherschutzministerium, hier scheinbar nicht im Ansatz angemessen reagiert. Eine Möglichkeit ist vielleicht in der viel zu engen Verknüpfung von Politik und Wirtschaft zu suchen. Denn immer mehr persönliche Daten werden von der Wirtschaft gespeichert und hier haben viele Menschen wohl weniger Bedenken, als wenn der Staat dies tun würde. Nun ist die Frage, wenn zum Beispiel ein persönlicher Kalender irgendwo in der Cloud schwebt, wie einfach es nachrichtendiensttechnisch wäre, diesen zu überwachen. Es wäre noch einfacher, als dies auf dem heimischen Rechner der Fall wäre. Man könnte aber auch versuchen einmal wieder die Gesetzgebung zu ändern und hier so etwas, wie eine Vorratsdatenspeicherung 2.0 einzuführen, abwegig scheint auf diesem Gebiet kaum etwas zu sein, hat man doch gerade erst die Antiterrorgesetze aus 2001 verlängert und man fragt sich, auf welcher faktischen Grundlage. Das es auch in Deutschland durchaus Ambitionen zu einem Überwachungsstaat gibt, dürfte spätestens an dieser Stelle jeder verstanden haben. Es scheint eben nur so, als überwache in erster Linie die Wirtschaft die Bürger und dies mit der Einwilligung der Politik, dafür darf der Staat dann auf die für sich relevanten Daten zu greifen, wenn er es für nötig befindet, was natürlich ein genialer Plan wäre. Genau solche Entwicklungen sind es, die man immer mehr im Auge behalten sollte, um nicht irgendwann völlig machtlos in der totalen Überwachung zu enden.

Außer das die totale Überwachung dank des Internets wesentlich einfacher geworden ist, lauert hier aber noch eine weitere Gefahr, denn natürlich, und auch dies ist kein Geheimnis, kann man das Internet jeder Zeit abschalten. In einem solchen Fall dürfte man über jeden Datensatz der auf dem eigenen Rechner gespeichert ist, froh und glücklich sein, denn die Cloud ist in diesem Fall einfach nicht erreichbar. Auch hier könnte man natürlich ein System vermuten, denn desto mehr die Daten extern gelagert sind, desto machtloser ist der, dem diese Daten gehören und der sie im ständigen Zugriff wissen will. Es wird sehr spannend werden die Entwicklungen auf diesem Gebiet in den nächsten Jahren zu verfolgen und hier sollte ein hohes Maß an Skepsis ganz oben auf der Agenda stehen, denn man darf nicht immer davon ausgehen, dass die Mächtigen dieser Welt und hier ist es egal, ob man über den Bereich der Wirtschaft oder den der Politik spricht, etwas großes für die Menschheit leisten wollen. Gewinne müssen maximiert werden, Märkte gesichert werden und Macht erhalten werden bzw. weiter ausgebaut werden und wenn all dies auch noch so geschafft wird, dass die Menschen glauben man würde ihnen etwas Gutes tun, ist das Ziel vollumfänglich erreicht. In diesem Sinne sollte man Big Brother 365 Tage im Jahr ganz genau im Auge haben.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Wirtschaft

Bis jetzt 1 Kommentar ↓

  • 1 Alexander Berger // 4. Jul 2011 at 07:17

    Ich teile die gleichen Bedenken wie der Autor und die Gründe sind ausführlich erklärt worden.

    Trotzdem ist mir der Eintrag gerade am Anfang zu tendenziös. Beim Cloud-Speicher geht es weniger um einige Terrabytes mehr für den User – da sind Festplatten bedeutend günstiger – sondern darum, die Daten synchron zu halten, “jederzeit” Zugriff zu haben und bei einem Systemcrash nicht alles neu zusammensuchen zu müssen. Die Cloud bringt viele Vorteile und dass sensible Daten nicht dorthin gehören, sollte klar sein.

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