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Die Wahrheit des Wortes

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3.600 Plenarsitzungen und ein wenig Ficki-Ficki

8. September 2009

Wir feiern in diesem Jahr 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland. Eigentlich kein großes Alter aber trotzdem ein runder Geburtstag. Gestern feierte man in diesem Rahmen 60 Jahre Deutscher Bundestag und damit feierte man irgendwie auch zwei deutsche Hauptstädte, denn damals begann alles, was sich in diesen Tagen in Berlin abspielt, in Bonn. 60 Jahre Bundestag bedeutet unter anderem auch über 3.600 Plenarsitzungen und viele schwerwiegende Entscheidungen. Hier in diesen großen Häusern der Demokratie wurden viele Entscheidungen auf den Weg gebracht, die das Land in den letzten 60 Jahren prägten aber vor allem auch zu dem machten, was es jetzt ist. In den letzten 60 Jahren veränderte sich aber natürlich nicht nur die politische Arbeit, sondern letztendlich natürlich auch die gesamte Gesellschaft durch den Einfluss der Politik. Eine gute Möglichkeit einmal zu schauen, wo uns diese Veränderungen über all die Jahre hingeführt haben.

Alles oder Nichts?

In der Politik folgt man gerne dem Weg, dass man für alles Gute verantwortlich ist aber auf die Fehlentwicklungen keinen Einfluss hat, da für diese immer irgendwie andere die Schuld tragen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Weltwirtschaftskrise. Hier arbeitet die Regierung unter Hochdruck an der Bekämpfung der Folgen, auch wenn bisher mit scheinbar eher mäßigem Erfolg. Aber mögen die Erfolge auch noch so klein sein, feiert sich die Politik in diesem Kontext auch immer wieder gerne selber. Hierbei geht nur allzu oft unter, dass gerade auch die Politik die Globalisierung mit forciert hat und diese ist eine der Gründe dafür, warum Deutschland nach Japan am härtesten von der Krise getroffen wurde. Die Politik sorgte aber auch dafür, dass die Wirtschaft immer mehr Macht gewann und somit nicht mehr viel von der Sozialen Marktwirtschaft, die dieses Land einst so stark gemacht hat, übrig geblieben ist und wir stattdessen irgendwo zwischen Turbokapitalismus und Raubtierkapitalismus leben müssen. In diesem Kontext sieht man leider auch, dass Politik im allgemeinen ganz offensichtlich oftmals auch nur eine Einbahnstraße ist. Denn selbst die schwerste Krise, die diese Republik jemals erlebt hat, reicht offensichtlich nicht aus, um auf einen besseren Weg umzulenken.

Aber auch Themen, wie zum Beispiel die Vergangenheit und der Krieg sind immer wieder ein Thema in der Politik. In Deutschland ist man immer bemüht, dass die Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und dessen schlimme Folgen so hoch gehalten werden, als wäre es gerade erst geschehen. Man vergisst hier nur auch allzu oft, dass es auch noch ganz andere Dinge gibt, die geschichtlich sehr relevant sind, wie zum Beispiel das Unrechtssystem der DDR, welches man nur allzu gerne bagatellisiert und somit auch die alten Kräfte nun in Deutschland wieder an politischer Macht gewinnen können. Da war der Krieg in Jugoslawien, an dem auch Deutschland maßgeblich beteiligt war aber auch so etwas scheint man lieber zu verdrängen. Dieses fixieren auf einen schrecklichen geschichtlichen Aspekt, könnte sich für dieses Land irgendwann einmal rächen. Auch in diesen Tagen befindet sich Deutschland, nach der Meinung vieler, in einem Krieg und zwar in dem, der in Afghanistan noch immer tobt und an dem schon die Sowjetunion scheiterte. Hier geht man allerdings einfach hin und beschließt es sei kein Krieg, ob dies später einmal geschichtlich so zu halten sein wird, sei an dieser Stelle offengelassen. Man sieht, egal ob man sich auf die Aspekte der Wirtschaft bezieht oder aber auch auf die Aspekte der Geschichte, man sollte immer alles im Blick haben, bevor man irgendwann feststellt, dass man gar nichts mehr im Blick hat.

War früher alles besser?

Auch Europa hat sich in den letzten 60 Jahren massiv verändert und dies natürlich vor allem auch in einem Kontext zur Gesellschaft. Gerne sagt man, früher war alles besser. Ob dies wirklich so stimmt, sei erst einmal dahingestellt. Feststeht nur, dass doch alles wesentlich lockerer geworden ist. So ist es in der heutigen Zeit auch kein Problem mehr, wenn man im Morgenmagazin des ZDF vom `Ficki-Ficki-Tanzstil` oder von `Karnickeln auf Koks` spricht. Gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hätte so etwas vor einigen Jahren noch für einen Skandal ausgereicht, nun ist es einfach nur die Normalität. Man darf sich dann natürlich auch nicht über negative Entwicklungen in der Gesellschaft erstaunt zeigen. Denn, wenn man solche Entwicklungen mitträgt, wie es große Teile der Medien tun und somit vieles was früher undenkbar war, nun zum Alltag macht, bleibt dies auch für die Gesellschaft nicht ohne Folgen und hier muss Fortschritt nicht immer nur etwas Positives sein, sondern kann auch durchaus schädlich für die Gesellschaft sein. Dies gilt natürlich ins besondere für Bereiche, wie zum Beispiel Sex, Drogen und Gewalt. Bei dem, wie man mit diesen Themen in der Gegenwart umgeht, muss auch jedem klar sein, wie Heranwachsende, wie Jugendliche damit umgehen und wie es ihre Zukunft prägen wird und dann sollte sich jeder überlegen, ob er in einer solchen Zukunft leben mag, denn er wird es müssen.

Früher war mit Sicherheit nicht alles besser, dies kann man wohl ganz klar festhalten. Nehmen wir die Umwelt im Vergleich zu den Zeiten, in denen Gift noch im Rhein verklappt wurde oder nehmen wir die ganzen Entwicklungen im Bereich der Technik, die uns allen das Leben an so vielen Stellen erleichtert hat, da wäre es Hohn davon zu sprechen, früher wäre alles besser gewesen. Allerdings muss man auch festhalten, dass man scheinbar nicht in der Lage ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Denn viele Fehler die im Moment gemacht werden, wären durchaus vermeidbar gewesen, wenn man sich auf die Vergangenheit berufen hätte. Deutschland ist zu seinem 60. Geburtstag leider außerordentlich schlecht positioniert. Gerade auch politisch ist dieses Land nicht gut aufgestellt, von der Wirtschaft einmal ganz zu schweigen. Aber dieses besondere Jahr bietet auch außergewöhnliche Chancen, denn es ist auch ein Superwahljahr. Jeder Bürger, jedes Mitglied dieser Gesellschaft kann in diesem Jahr direkten Einfluss auf die zukünftigen Plenarsitzungen nehmen und sich schlauer zeigen, als die Protagonisten in Berlin. Denn diese werden noch immer vom Volk bestimmt und zwar in gut drei Wochen. In sofern kann man auch nicht immer nur alle Schuld auf die vermeintlichen Eliten und Experten aus der Wirtschaft und der Politik abladen, denn in einem kleinen Rahmen kann man auch selber seinen Einfluss geltend machen.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

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