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Die Wahrheit des Wortes

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360 000 Arbeitslose und kein Ende in Sicht

2. März 2009

Österreich ist heute fassungslos. Die Arbeitslosenzahl hat im Februar 2009 zugelegt. Um 23,7 Prozent hat sich die Arbeitslosenrate gegenüber Februar des Vorjahres gesteigert. Auch die sonst üblichen Rückgänge an Arbeitssuchenden durch die Bauwirtschaft setzen heuer aus. Besonders stark betroffen von der Kündigung sind ArbeitnehmerInnen der Baubranche und der Industrie. Männer trifft es vorrangig, und die Jugendarbeitslosigkeit stieg ebenfalls an. Rechnet man alle zusammen, auch jene, die in Schulungen sind, so sind derzeit in Österreich 360 000 Menschen ohne Arbeit.

Krise beginnt erst. Wir erinnern: Vor Weihnachten prognostizierte Stefan Pierer (KTM-Chef), dass die Krise erst beginnt. Er verkündete damals in der Sonntagsrundschau, was auch von anderen österreichischen Tageszeitungen am 22.12.2008 übernommen wurde, dass die Arbeitslosenzahl die 600 000 Marke bis Mitte 2009 erreichen wird. Dass es zu Kreditausfällen und damit zur Verstaatlichung der Banken kommen wird. Und dass es in allen Wirtschaftsbereichen Überkapazitäten gibt. Blicken wir heute in die fassungslosen Politikergesichter, dann dürfen wir durchaus fragen: “Haben Sie die Zeitungen im Dezember nicht gelesen?” Schließlich umgeben sich jene gerne mit Stefan Pierer und fragen diesen um seine Meinung. Und heute ist man fassungslos ob der Meldungen. Da muss wohl der Weihnachtspunsch ein wenig den einen oder anderen Hausverstand vernebelt haben.

200 AMS Berater sollen retten. Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) meinte heute dazu, dass man mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen massiv dagegen vorgehen werde. Aber haben wir davon nicht schon im Herbst 2008 gehört? Das Konjunkturpaket ist noch nicht umgesetzt. Immer noch wird diskutiert und die Statements sind grammatikalisch alle zukünftig: “Man werde, man will, man hat vor…” Da will man jetzt mit 200 neuen AMS-Beratern gegen die Arbeitslosigkeit an. Herr Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), damit werden Sie wohl auch nicht die 23,7 Prozent zusätzlichen Arbeitssuchenden wieder in den Arbeitsprozess eingliedern können.  Das hilft doch nur, die Anträge rascher zu bearbeiten. Denn die Zahl der offenen Stellen ging parallel zum Anstieg der Arbeitslosenzahl zurück. Der Anstieg in Oberösterreich liegt sogar bei 44,7 Prozent – das ist fast doppelt soviel zum Vorjahr an arbeitslos Gemeldeten. Und noch etwas klingt höchst eigentümlich. Herr Hundstorfer (SPÖ, ehemaliger Gewerkschaftsfunktionär der Gemeindebediensteten und ÖGB-Präsident, sowie gelernter Bürokaufmann) meinte im ZIB 1-Studio in den Abendnachrichten, dass jene, die gering qualifiziert sind, jetzt von der Arbeitslosigkeit betroffen wären. Einen KFZ-Mechaniker führte man als Beispiel an, der heute seine Arbeit verloren hatte. Sind KFZ-Mechaniker so gering qualifiziert in Österreich, Herr Sozialminister?

Und ein anderer Fall, den die ORF-Reporter interviewten, ist gelernter Installateur, der jetzt hofft in einem Industriebetrieb unterzukommen. Was fehlt seiner Qualifizierung, dass er jetzt Arbeit suchen darf? Und welche Schulungen benötigt dieser Facharbeiter, dass er am Ende der Krise wieder Arbeit findet? Vor ein paar Wochen tönte es noch aus allen Wirtschaftsblättern: Facharbeiter braucht das Land. Die scheinen jetzt laut Sozialminister Hundstorfer wieder Schulungen nötig zu haben. Wann die Krise endet, fragt die Moderatorin der ZIB (Zeit im Bild, Nachrichtensendung im ORF). Keine Antwort vom Sozialminister aber dafür sprach er von Hoffnung, dass die Krise auch einmal zu Ende sein wird. Wieder ein Futur. Wir bekommen zunehmend den Eindruck, dass der österreichischen Bundesregierung die Zügel schon längst aus der Hand geglitten sind. Und der Karren mit vollem Galopp Richtung Abgrund steuert.

AMW

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Kategorie: Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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