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Die Wahrheit des Wortes

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Hilflose Wirtschaftspolitik in der Steiermark

17. Januar 2009

Krise und Vergnügen liegen nahe beisammen. Da wird einerseits Sport betrieben und vom Skischulinhaber Franz Loitzl in Altaussee gemeint: “Der Trend geht eindeutig zum Leihski und dem kleinen familiären Skigebiet!” Auf der andern Seite flattert die “Steirische Wirtschaft” in unsere Redaktion und bekennt offen, dass wir in der Krise stecken. Die scheinbare Ambivalenz dieser beiden Themen zeigt, dass der Schritt zurück zum Überschaubaren und Regionalen eine Begleiterscheinung der momentanen wirtschaftlichen Situation ist. Der Gegentrend zur globalen Krise.

Bis zu 200 Tourengeher zählt der Loser in Altaussee täglich. Diese Skisportler benützen die Pisten und die Panoramastraße zum Aufstieg auf den Gipfel. Das ist eine Variante zur Saisonkarte und dem herkömmlichen Skivergnügen. Außerdem geben neueste Zahlen der Merkur Versicherung Auskunft über das Urlaubsverhalten 2009. Da liegen die Destinationen vor Ort oder in der Region wieder im Trend. “Wir haben Urlaub daheim gemacht und es war super!”, hört man immer mehr. Und mit dem “daheim” ist das wirkliche Daheim gemeint, das Eigenheim im eigenen Ort!

Gleichzeitig steigen die Zahlen für zur Kurzarbeit angemeldete Dienstnehmer und Arbeiter täglich an. Vor ein paar Wochen setzte die Steiermark noch voll Vertrauen auf den Autocluster und die industrielle Fertigung. Heute liest man, dass diese Wirtschaftspolitik zu großen Abhängigkeiten geführt hat. Wir überlegen einmal kurz und erkennen, dass die Industrie im klassischen Sinn ja dem Sekundärsektor der Wirtschaft zugeordnet wird. Einem Bereich, der immer dort vorhanden ist, wo man billig Arbeitskräfte bekommt. Diese Billiglohnländer können durchaus auch EU-Staaten sein. Dann nämlich, wenn mit EU-Regionalförderungen attraktive Standorte geschaffen werden. Ist die Förderung aus, ist die Produktionsstätte auch dahin. So geschehen mit der Fa. Thyssen in Gratkorn bei Graz. Und jetzt sperrt in Hallein der nächste Betrieb zu, setzt Hunderte damit auf die Straße. Darin liegt die eigentliche Gefahr für den Wirtschaftsstandort Österreich! Man hat sich von EU-Förderkulissen verblenden lassen und Standorte errichtet und damit ausländische Konzerne eingeladen zu investieren. Die Politik mault jetzt kräftig im Salzburgerland, doch helfen wird das nichts.

Wir blättern in der Steirischen Wirtschaft, der Zeitung der Wirtschaftskammer Steiermark weiter und finden den nächsten unverständlichen Artikel: KMUs können jetzt bei mangelnder Auftragslage ihre Mitarbeiter in Bildungskarenz schicken. Gleiches gilt für den Forschungsbereich – forschen statt arbeiten ist angesagt. Hat man da auf die Einpersonenunternehmen vergessen? Kann sich gar der Chef oder die Chefin selbst in Bildungskarenz oder Kurzarbeit schicken?! Wieder ist auf die EPUs vergessen worden, die mit 50 Prozent numerisch 186000 Unternehmer in Österreich stellen. Und Mikrokredite gewährt man jetzt der Tourismusbranche. Was soll da investiert werden, wenn die Gäste ausbleiben. Und mit welchem Mikrokredit lässt sich Sinnvolles finanzieren, wenn die allgemein damit gemeinte Kreditsumme bei maximal 30.000 Euro liegt. Eine neue Schankanlage geht sich da vielleicht aus. Sehr sinnvoll, dürfen wir hier sagen und beschließen auf die nächsten Sinnlos-Meldungen der Steirischen Wirtschaftskammer zu warten. Denn zu den DienstleisterInnen des Tertiär- und Quartärsektors schreiben sie nichts. Nur die PR- und Werbebranche wird indirekt erwähnt: eine Marketingoffensive für Tourismusbetriebe wird gestartet, damit diese nicht so tief ins Wirtschaftsloch 2009 fallen. Wir schlagen besagte Zeitung zu und lesen am Schluss: Autocluster will Kurzarbeit verlängert wissen. Also wieder Produktion – die Steiermark lernt es wohl nie!

AMW

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Kategorie: Gesellschaft · Neues aus Österreich · Politik · Wirtschaft

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