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Die Wahrheit des Wortes

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25 Jahre – Der kurze Weg von Tschernobyl nach Fukushima

26. April 2011

Es war genau vor 25 Jahren, am 26. April 1986 im Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Prypjat, als sich die Welt im Bezug auf Atomkraftwerke (AKW) nachhaltig hätte verändern sollen. Die Katastrophe von Tschernobyl ereignete sich und wurde als erstes Ereignis auf der neu eingeführten, siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse als katastrophaler Unfall eingeordnet. Dieses Alleinstellungsmerkmal besitzt diese Tragödie nun leider nicht mehr, da die Katastrophe von Fukushima vor gut sechs Wochen ebenfalls in diese Kategorie eingestuft wurde. Ist der Auslöser für Fukushima ein Seebeben, gefolgt von einem Tsunami gewesen, stellte es sich vor einem Vierteljahrhundert in der Ukraine anders dar. Bei einer unter der Leitung von Anatoli Stepanowitsch Djatlow durchgeführten Simulation eines vollständigen Stromausfalls kam es auf Grund schwerwiegender Verstöße gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften, sowie den bauartbedingten Eigenschaften des mit Graphit moderierten Kernreaktors vom Typ RBMK-1000 zu einem unkontrollierten Leistungsanstieg, der zur Explosion des Reaktors führte. Alleine in den ersten zehn Tagen nach der Explosion wurde eine Aktivität von mehreren Trillionen Becquerel freigesetzt und so gelangten radioaktive Stoffe, darunter auch das langlebige Cäsium 137 in die Erdatmosphäre. In der Folge kontaminierten diese Stoffe als radioaktiver Niederschlag hauptsächlich die Region nordöstlich von Tschernobyl, sowie aber vor allem auch viele Länder in Europa, darunter auch Deutschland.

Keine nachhaltige Veränderung
Nach der Katastrophe begannen sogenannte Liquidatoren mit der Dekontamination der am stärksten betroffenen Gebiete. Unter der Leitung des Kurtschatow-Instituts wurde im Herbst 1986 ein aus Stahlbeton bestehender provisorischer Schutzmantel, der so genannte Sarkophag, errichtet, der damals auf eine Lebensdauer von 30 Jahren ausgerichtet war, was natürlich unfassbar ist, wenn man sich überlegt, wie lange diese Ruine strahlen wird. In Folge dieses äußerst kurzsichtigen Handelns, drohte natürlich nach und nach auch der Kollaps dieser Schutzhülle und man arbeitet nun schon seit Jahren an anderen Konzepten für eine Schutzhülle. Ebenso erschreckend, wie dieses Versagen, ist auch, dass es bis zum heutigen Tage über die weltweiten gesundheitlichen Langzeitfolgen, keine wirklichen, ernsthaften und von irgendwelchen Interessen unabhängigen Studien gibt, da es scheinbar große Mächte gibt, die eine negative Auswirkung der Kernkraft, in jedem Fall nicht in der Öffentlichkeit nachgewiesen sehen wollen. Genau an dieser Stelle schließt sich natürlich der Kreis auch wieder in Richtung Fukushima, denn auch hier hört man sehr wenig über die tatsächlichen Folgen, zum Beispiel dessen, dass unvorstellbare Mengen hoch radioaktiv verseuchtes Wasser immer wieder in den Pazifik geleitet wird. Man redet zum Teil immer wieder von Verstrahlungen die Jahrtausende anhalten werden und tut so, als würden sich solche Probleme relativ zeitnah von alleine erledigen.

Von der Problematik der Endlagerung des Atommülls, der ganz nebenbei auch noch in riesigen Mengen weltweit produziert wird, müsste man eigentlich auch gelernt haben, dass man gar nicht weiß, wie man sich um die strahlenden Reste solche Katastrophen kümmern kann. Nun hätte Tschernobyl weltweit ein Zeichen setzen müssen, um nachhaltig über eine ganz neue Form der Atompolitik nachzudenken, genau dies geschah allerdings nicht, was natürlich wieder für die fehlende Unabhängigkeit in der Gesamtbeurteilung solcher Katastrophen spricht. Denn hätte man ernsthaft festgestellt, wie katastrophal solche atomaren Katastrophen für die Menschheit wären, würde es jetzt schon keine Atomkraftwerke mehr geben. Dies hätte aber natürlich einen kaum zu beziffernden wirtschaftlichen Schaden für die gesamte Atomindustrie bedeutet. Nun kann man auch hier wieder ganz leicht Rückschlüsse ziehen, wer hier, welchen Einfluss ausüben dürfte. Manch einer fragt sich nun natürlich, was mit der Politik ist, die solchen wirtschaftlich ausgelösten Amokläufen im Weg stehen sollte und man kommt, gerade auch in diesen Tagen im Kontext von Fukushima, auf die Grünen, die Antiatompartei überhaupt. Sie wuchs und wuchs über all die Jahre und Jahrzehnte und in diesen Tagen versucht manch einer in den etablierten Massenmedien sie sogar zu der neuen Volkspartei in Deutschland zu machen aber auch hier ist nicht davon auszugehen, dass sich ausreichend gegen diesen riesigen lobbyistischen Gegner durchgesetzt werden kann.

Gegen die Macht
Rein statistische betrachtet hätte es die Katastrophe von Fukushima übrigens gar nicht geben dürfen und um bei den Zahlen zu bleiben, darf man nicht vergessen, dass dort viel mehr radioaktives Material vorhanden ist, als es damals in Tschernobyl der Fall war. Dies wiederum bedeutet, dass nicht nur der zeitliche Abstand zwischen den Katastrophen wesentlich kürzer als zu Grunde gelegt ist, sondern das Risiko auch um ein vielfaches höher ist. Alles Fakten die man allerdings so nur sehr ungern ausspricht. Man könnte den Rückschluss ziehen, dass die Zeit immer kürzer und das Risiko immer höher wird. Ein dunkler Ausblick in die Zukunft und genau hier kommen die Grünen wieder ins Spiel, die natürlich mit ihrer Antiatompolitik in diesen Tagen unvorstellbaren Rückenwind haben. Man fragt sich nur, wann all dies soweit in den Hintergrund gerückt ist, dass die nächste Flaute kommt, denn eigentlich hätte ein nachhaltiges Umdenken, wie gesagt, schon vor 25 Jahren passieren müssen. Überall die Jahre und Jahrzehnte, und auch dies sollte man nicht vergessen, haben sich auch die Grünen verändert und ob dies in der Sache immer etwas Positives ist, darf doch bezweifelt werden, denn für die Sache und gegen die Macht entscheidet sich auch in dieser Partei scheinbar schon lange keine Mehrheit mehr. Ein gutes Beispiel ist da auch der Eiertanz, und anders kann man es wohl kaum bezeichnen, um den Volksentscheid im Kontext zu Stuttgart 21 (S21), den man aus der Opposition in Baden-Württemberg heraus so unbedingt haben wollte. Nun ist man an der Macht und könnte in genau diesem Kontext große Probleme bekommen und verliert scheinbar direkt das Interesse.

Nun kann man sich an zwei Fingern abzählen, wie es im Bereich der Atompolitik aussehen könnte, denn das auch die Grünen im Notfall ungeliebte Kröten fressen, haben sie in Hamburg mit dem Kohlekraftwerk Moorburg bewiesen. Bei einer solchen Betrachtung der Gesamtlage auf dem kurzen Weg von Tschernobyl nach Fukushima fragt man sich wohl, wann es zum nächsten Super-GAU kommt? Wie man dann auch diesen zerreden wird und weite Teile der Betroffenen im Regen, und der könnte dann wieder radioaktiv kontaminiert sein, stehen lässt. Ganz nebenbei braucht man auch gar nicht erst auf die nächste atomare Katastrophe irgendwo auf diesem Planeten zu warten, man hat jetzt schon genug mit den strahlenden Ruinen von Tschernobyl bis Fukushima und dem bisher produzierten radioaktiven Abfall zu tun. Dies ist übrigens ein guter Punkt, um ganz im Sinne einer globalisierten, raubtierkapitalistischen Sichtweise, den preiswerten Atomstrom einmal wirtschaftlich zu betrachten. Nimmt man die Kosten der beiden hier behandelten Katastrophen und nur einen Bruchteil der Krankheitskosten aus Bereichen, wie zum Beispiel Krebs, wird man feststellen, dass es wohl kaum eine teurere Form an Energie gibt und hierbei wären die Kosten der Zwischenlagerung, sowie einer möglichen, wie auch immer gearteten Endlagerung auch noch nicht berücksichtigt. Auch hier sieht man, warum kein ausreichendes und nachhaltiges Interesse an der Aufklärung der Folgen solcher Katastrophen besteht, denn man würde so ganze Märkte in den Ruin treiben und da nimmt man scheinbar lieber den qualvollen Tod vieler Menschen in Kauf, um dieses Geschäftsfeld, wie auch immer, zu erhalten. Begriffe, wie zum Beispiel Ethik und Moral braucht man da erst gar nicht ins Feld zu führen, dass war 1986 nicht gefragt und ist auch 2011 nicht an der Tagesordnung.

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Kategorie: Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Technik · Umwelt · Wirtschaft

Bis jetzt 2 Kommentare ↓

  • 1 Art for Europe » Der etwas andere Tanz in den Mai // 16. Jun 2011 at 10:01

    [...] Texten aufsaugen zu können. Vielleicht liegt es an der Aktualität der Geschehnisse, vom 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl bis zu den aktuellen Ereignissen im japanischen AKW von Fukushima, vielleicht liegt es aber auch an [...]

  • 2 Der BALLacker » Ukraine 2012 // 31. Jul 2012 at 09:19

    [...] haben wollte, der konnte in die verstrahlte Zone von Tschernobyl nahe Kiew fahren. Schauplatz des großen Nuklearunfalls von 1986. Fand man vor 25 Jahren noch eine 14.000 Einwohner fassende Stadt vor, findet man sich heute in [...]

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