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Die Wahrheit des Wortes

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2010 das nächste 1989?

25. August 2010

Es gibt diese ganz besonderen Zeiten in denen Dinge geschehen, die man im Augenblick in dem sie geschehen gar nicht wirklich erfassen kann. So verhielt es sich im Jahr 1989 als die Mauer fiel. Es war vielleicht absehbar, dass es eine Wiedervereinigung geben würde, schon schwere zu prognostizieren war das Ende des Kalten Krieges und die Geschwindigkeit mit dem all dies passierte und die letztendlichen Folgen, die die Menschheit bis in die Gegenwart beschäftigen, hat wohl fast niemand gesehen. Durch das Ende des Blockdenkens, durch den Zusammenbruch des Sozialismus und den riesigen Schwierigkeiten des Kapitalismus stand und steht die Welt vor völlig neuen Aufgaben. Als wäre all dies nicht schon genug, haben sich auch noch neue Feindbilder aufgebaut, die zu einem völlig neuen Bedrohungsszenario geführt haben, welches am 11. September 2001, also vor etwa neun Jahren mit den Anschlägen auf das World Trade Centre (WTC), ihren bisherigen Höhepunkt erreichten. Wie hätte sich die Welt wohl entwickelt wenn 1989 anders verlaufen wäre?

Wo ist die politische Elite?
In diesem Jahr kam bei einem schrecklichen Flugzeugunglück ein großer Teil der politischen und geistigen Elite Polens ums Leben, da sieht es in Deutschland natürlich viel besser aus, allerdings verschwinden hier auch in diesem Jahr auffällig viele Politiker, zu mindestens was ihre politische Laufbahn angeht. Bei der CDU hat man das Gefühl, dass die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) irgendwann völlig alleine da steht, da sie immer mehr Personal verliert, was natürlich auch Kompetenzen ausdünnen dürfte. Bei der anderen großen deutschen Volkspartei sieht es auch nicht viel besser aus, denn auch hier scheint ein ähnlicher Prozess zu beginnen. Hatte man sich scheinbar nach jahrelangem Führungsstreit und Führungskrisen gerade halbwegs stabilisiert und neu aufgestellt, fällt nun erst einmal Frank-Walter Steinmeier (SPD) für längere Zeit aus, da er seiner schwerkranken Frau sehr überraschend und kurzfristig eine Niere spenden musste oder besser gesagt wollte. Bei Andrea Nahles (SPD) steht Nachwuchs ins Haus, was wohl auch hier für einen Ausfall sorgen wird.

Natürlich kann man diese Pausen, Ausfälle, wie auch immer man es nennen mag, nicht mit den Abgängen der letzten Wochen und Monate bei der CDU vergleichen, da sie zum einen natürlich einen völlig andren Hintergrund haben, zum anderen aber auch da sie wahrscheinlich eher nur von kürzerer Dauer sein werden. Auch wenn man kein großer SPD-Kenner ist, kann man aber schon erahnen für wie viel Unruhe dies sorgen wird. All diese Bewegung bei den beiden großen Volksparteien in Deutschland fällt schon ins Auge und man fragt sich, was für Folgen all dies für das Land haben wird. Erschwerend zu dieser politisch sehr brisanten Lage im Land, kommt dann noch hinzu, dass die Armut in Deutschland scheinbar im gleichen Tempo anwächst, wie der Aufschwung, der in diesen Tagen überall propagiert wird. Als krönenden Abschluss kann man dann noch die große Krise bei den Kirchen anführen und stellt fest, wie viel Dynamik im Moment in diesem Land steckt und auch den Menschen wird genau dies immer bewusster.

Ein kollektives Bewusstsein?
Auch hier in der Redaktion in Köln melden sich immer wieder Menschen, oftmals ganz privat, die erzählen, dass sich gerade in diesem Jahr, in ihrem Leben, in ihrem direkten Umfeld, Dinge massiv verändern und auch dies tritt in einer auffälligen Häufigkeit auf und auch diese Redaktion war davon in diesem Jahr schon betroffen. Weg von der Politik, der Wirtschaft und dem Glauben scheint also ein ähnlich dynamischer Prozess im Gange zu sein. Es scheint als bewegt sich alles, wie ferngesteuert auf einen ganz bestimmten Punkt zu. Auch Ende der 1980er war viel an Dynamik auf den einzelnen Ebenen zu spüren und das Resultat kennen wir alle. Steht Deutschland, steht die Welt wieder an einem solch massive Umbruchspunkt, wie damals vor mehr als 20 Jahren? Überraschend wäre es nicht und nötig so oder so, denn nachdem das System des Ostblocks gescheitert ist und man kurzfristig den Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus feierte, sieht man mehr und mehr das der Wandel im Kapitalismus selbst sich eher wie ein wucherndes Krebsgeschwür verhält, welches den Patienten mehr und mehr in die Knie zwingt und es nicht so aussieht, als würden noch große Heilungschancen bestehen.

1989 war nicht wirklich abzusehen, wie es weitergehen würde und das auch die Politik, die damals noch aus Bonn und Berlin kam, meist auch nicht die richtigen Antworten hatte, weiß man jetzt auch und an dieser Stelle kommt man zu einer weiteren Parallele, denn einer der damaligen politischen Protagonisten war Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und in diesen Tagen wird das Land von seiner Ziehtochter Angela Merkel (CDU) regiert. Auch hier scheint eine gewisse geschichtliche Logik erkennbar zu sein. Nun bleibt zum Ende die Frage, wo uns das Jahr 1989 hingeführt hat und wo uns möglicherweise das Jahr 2010 hinführen wird. Viele werden meinen, dass die Entwicklung seit 1989 sehr positiv war, für diese Erkenntnis muss man allerdings eine ganze Menge ausblenden und man weiß natürlich auch nicht was geschehen wäre, wenn sich die Geschichte anders entwickelt hätte. Ähnlich sieht es auch im Moment aus, denn sollte 2010 ein Jahr wie 1989 werden, wird man auch diesmal erst wieder sehr viel später erkennen und begreifen, was die Folgen waren. Zu mindestens die Kernfrage, ob 2010 das nächste 1989 wird, wird sich in einigen Monat geklärt haben.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt 3 Kommentare ↓

  • 1 Willowby // 30. Aug 2010 at 11:53

    1989 war doch in der Ära “16 Jahre konservativer Stillstand auf allen Ebenen Made by Kohl”. Auch heute geht es wieder mal nicht um Kompetenz, Innovation und Aufbruch. Was damals anders war, ist der Mauerfall. Dieser hat alle Wessis aufgeweckt und auch die Konservativen zur Bewegung gezwungen. Heute zwingen un die Konservativen dazu, noch konservativer zu werden. Statt Innovation und Bildung bekommen wir längere Laufzeiten für Kernkraftwerke. Die Konservierer machen es sich sehr einfach. Das strategische Versagen, das Fehlen einer Vision kostet uns alle den Wohlstand der Zukunft. Da die Blockierer das wissen, sorgen sie erstmal dafür, dass sie selbst auf Kosten der Schwachen in unserer Gesellschaft ihren Wohlstand nicht nur halten sondern rasant ausbauen. Man spricht auch von der Schere in unserer Gesellschaft. Die Reichen sind nicht die Innovationstreiber sondern, die die schneller reich werden, als der Rest der Geselschaft. Dies erdrosselt unseren Wohlstand zusehens. Und die Schrere geht weiter auf. Am Ende steht aber die Währungsreform. Wieso? Geld ohne Wert ist wertlos. Kapital nach ober zu verschieben schafft halt keine Werte. Wo sind die Alternativen? Wo sind mutige Leute, die was riskieren?

  • 2 Willowby // 30. Aug 2010 at 11:57

    Übrigens: der Verlust an paar CDU-Politikern die sich mit ihren eigenen Methoden verschlissen haben ist kein Weltuntergang. Im Gegenteil. Vielleicht rücken mal zeitgemässe Leute nach, die intelligent genug sind, Werte zu schaffen statt Werte auf die Seite zu bringen. Wir müssen uns eher fragen: Was hat die Welt gewonnen, wenn Herr Koch weniger Macht hat. Das gejammere “Wer steht jetzt noch unter der Leitung von Frau Merkel ist welt weit so bedeutungsvoll, wie wenn in China ein Sach reis umfällt.

  • 3 Willowby // 30. Aug 2010 at 11:58

    Äh ich meinte: ein Sack Reis. Sorry für meine Tippfehler

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