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Die Wahrheit des Wortes

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2010 – Das Jahr der Sommermärchen

2. Juni 2010

Was für ein Wochenende liegt da hinter uns. Lena Meyer-Landrut gewann am Samstagabend in der norwegischen Hauptstadt Oslo den Eurovision Song Contest. Ebenfalls am Samstagabend verteidigte Vitali Klitschko auf Schalke vor 40.000 Zuschauern seinen WM-Titel im Schwergewichtsboxen gegen den Polen Albert Sosnowski durch technisches KO und dann siegte an diesem Abend auch noch die deutsche Nationalmannschaft in der ungarischen Hauptstadt Budapest im Testspiel gegen Ungarn mit 3:0. Da zeigt sich doch, wo die Kraft in Europa herkommt und es deutet doch alles auf einen wundervollen Sommer hin, wenn man von unbedeutenden Details, wie zum Beispiel dem Wetter, der Wirtschaft und dem Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler absieht. Aber wen interessiert so etwas schon, wenn man endlich wieder davon träumen kann Fußball-Weltmeister zu werden, eine legitime Nachfolgerin für Nicole hat und im Boxen mit Unterstützung der Ukraine auch die Krone auf hat. Wir sind wieder wer!

Punkteschieberei in Oslo?
Beginnen wir mit dem ersten Teil des diesjährigen Sommermärchen, mit Lena Meyer-Landrut oder einfach Lena, der legitimen Nachfolgerin von Nicole oder auch Prinzessin unter dem König Stefan Raab. Da hatte man alles daran gesetzt, dass Deutschland in Oslo siegt, sogar eine Kooperation des öffentlich-rechtlichen Fernsehens mit dem großen süddeutschen Privatsender wurde geschmiedet und dies scheinbar ganz ohne Rücksicht aufs Niveau. Was man nicht alles tut, wenn über 80 Millionen Menschen scheinbar davon abgelenkt werden müssen auf welchem Weg ihr Land ist und dieser Weg wurde nach der Rücktrittsankündigung von Roland Koch (CDU), nun auch noch einmal durch den sofortigen Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler untermauert. Diesmal hörte man auch keine Stimmen, die davon sprachen, dass der Eurovision Song Contest so oder so nur durch vorher abgesprochenen Verschiebereien von Punkten entschieden würde, schließlich hat auch Deutschland gewonnen und ein Schelm wer meint, dass es bei einem solchen Sieg nicht mit rechten Dingen zu gehen könnte, schließlich kennt man in Deutschland auch keine Fußballwettskandale oder Schmiergeldaffären in der Großindustrie, denn hier läuft immer alles ganz sauber und ordentlich ab.

Jetzt muss man nur noch schauen, dass sich nicht mehr ganz Europa über Lenas interessante Interpretation der englischen Sprache amüsiert, was nicht gerade für unser Bildungssystem spricht aber auch daran will man in Zukunft arbeiten, wie auch immer man dies finanzieren will, womit wir bei einem spannenden weiteren Thema wäre, was trotz aller großen deutschen Siege vom Wochenende Realität ist, die Staatsverschuldung oder viel mehr die Staatsüberschuldung. Bei all diesen mehr oder weniger wundervollen Ablenkungsleuchtfeuern sollte jedem mündigen Bürger bewusst sein, dass man in den letzten Wochen ganz nebenbei den, wie man es Neudeutsch so schön nennt, Turnaround von Steuersenkung hinzu Steuererhöhung vollzogen hat und wo wir gerade bei den wirklich guten Nachrichten sind, sei erwähnt, dass man hier nur von einem kleinen Teil der Mehrbelastungen redet, denn Zusatzbeiträge von Krankenkassen, eine Maut und ähnliches stehen auch noch ganz weit oben auf der Agenda. Aber wir haben nun Lena und können damit das Selbstbewusstsein der Nation stärken und dies ist scheinbar mehr Wert, als eine funktionierende Wirtschaft, die den Menschen Arbeit gibt von der sie leben können.

Der vierte Stern könnte der des Untergangs sein
Es ist aber nicht so als würde nur Lena Deutschland helfen das Selbstbewusstsein in der größten Krise seitdem Zweiten Weltkrieg zu stärken, da ist auch noch die deutsche Fußballnationalmannschaft, die teilweise wirkt als sei es die bayrische Nationalmannschaft aber wenn es hilft. Problematisch ist hier nur, dass gerade der Verein auf den hier angespielt wurde, gerade erst bewiesen hat, wie es international um den deutsche Fußball steht und man mit 2:0 gnadenlos in der spanischen Hauptstadt Madrid gegen Inter Mailand unterging aber solche Details sind natürlich vergessen, wenn man 3:0 gegen die Ungarn siegt. Ebenso vergessen scheinen auch, wohl wieder massiver werdende Ermittlungen im Kontext eines angeblich verschobenen Champions-League-Spiel an dem auch die Bayern beteiligt gewesen sein sollen. Die Protagonisten der Wirtschaft sollten sich bei aller Voreuphorie für das anstehende Sommermärchen darüber klar sein, wie tief der Fall sein könnte, wenn es wieder nicht klappt. Dann wird man zwar abermals einen kleinen Teil der Bevölkerung mit Titeln, wie zum Beispiel `Meister der Herzen` oder ähnliches abspeisen können aber im Ganzen wäre der Schuss dann wohl eher nach hinten losgegangen.

Sollte Deutschland in Südafrika nicht Weltmeister werden, würde dies zwar wahrscheinlich einige Kaufleute eines großen Elektrohändlers freuen, die dann nicht eine gewisse Stückzahl an Fernsehern verschenken müssten aber allgemein könnte es ein weiterer herber Schlag in Richtung Stimmungs-KO sein. KO ist natürlich auch ein gutes Stichwort für das letzte Highlight des vergangenen Wochenendes, wo Vitali Klitschko wieder einmal siegte. Nun gut, es gibt immer mehr Menschen die den Boxsport auf dem besten Wege zum Niveau des Wrestlings sehen aber auch hier gilt, wenn es hilft die Stimmung im Land zu heben, scheint alles erlaubt. Die Nachrichten im realen Leben werden auch immer unerträglicher, so versucht jetzt auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) das Thema Zwangsarbeit wieder hoffähig zu machen, diesmal unter dem schönen Tarnnamen `Bürgerarbeit`, klingt als würde man den Bürgern in diesem Land endlich auch einmal etwas Gutes tun, was natürlich nicht der Fall ist, wenn Menschen gezwungen werden sollen in einem so genannten Sozialstaat, in dem man hohe Sozialabgaben leisten muss, zum Erhalt einer Leistung zur Arbeit gezwungen wird. Auf der anderen Seite kann man danach ja dann Lena, Vitali oder die bayrisch-deutsche Elf genießen und träumen, dass alles gut wird.

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Kultur · Politik · Sport · Wirtschaft

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