fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

20 Jahre Mauerfall und die Zukunft

10. November 2009

Monatelang wurde Deutschland eingestimmt, die Medien haben alles gegeben und am gestrigen Tag war es dann so weit, Deutschland feierte den 20. Jahrestag des Mauerfalls. 20 Jahre ist es nun schon her, dass durch die friedlichen Proteste in Ostdeutschland, die innerdeutsche Grenze zum Einsturz gebracht wurde. Wie ist dieser, vor allem auch sehr emotionale Akt zu sehen, fragt man sich oftmals. Antworten auf diese Frage gab es in den letzten Monaten viele, allerdings gingen diese alle in die gleiche Richtung und die hat sich trotz Globalisierung und Weltwirtschaftskrise auch in den letzten 20 Jahren kein Stück verändert. Man muss sich nur auch fragen, wie angemessen es, gerade auch in einem gesamtgeschichtlichen Kontext ist, dieses historische Datum nun schon abschließend zu beurteilen. Denn alles in allem war es, egal wie wichtig es auch aus einem nationalen Blickwinkel gewesen sein mag, auch ein Baustein in einem großen Ganzen und dieses Ganze gilt es natürlich auch zu beleuchten bzw. zu hinterfragen.

Gesänge in der Siegersprache
Natürlich wurde auch zu diesem Geburtstag ein Lied verfasst. `We are one` von Paul van Dyk, der selber in der DDR aufwuchs, sollte der Titel zum 20. Jahretag des Mauerfalls sein und es fiel einem direkt auf, dass es sich um einen englischsprachigen Titel handelte, was natürlich erst einmal zu Fragen führt, an einem Tag der doch vor allem erst einmal Deutschland betrifft. Der Interpret gibt an, dass es ihm um die internationale Bedeutung dieses Jahrestages geht und er somit natürlich eine Sprache gewählt hat, die man nicht nur in Deutschland versteht. Es scheint aber auch so als sei dies ein weiteres Detail, welches beweist, dass Globalisierung doch auch ein großes Stück Amerikanisierung bedeutet. Es ist die Sprache derer, die man in Deutschland auch als Siegermächte kennt, auch dies mag angemerkt sein. Es ist natürlich auch die Sprache derer, die mit dafür gesorgt haben, dass sich Deutschland, Europa und letztendlich die ganze Welt verändert hat. Lange , lange Jahre ging man auch davon aus, dass dies die beste Möglichkeit war. Der Kommunismus, wie auch der Sozialismus gelten als gescheiterte Systeme, allerdings hat sich das Rad der Geschichte auch in diesem Kontext weitergedreht und im Moment sieht es wohl so aus, als müssten man auch den Kapitalismus in seinen heutigen Ausprägungen als gescheitert ansehen.

Bei alldem über was wir seit Monaten reden, steht vor allem eines im Vordergrund, es ist die Freiheit und auch diese ist es, die in diesen Tagen gefeiert wird. Man fragt sich natürlich auch, wie es um diese in raubtierkapitalistischen Zeit bestellt ist. Gerade an diesem Wochenende gab es ein schönes, wenn auch banales Beispiel dafür. Der Fußballspieler Philipp Lahm vom FC Bayern München übte berechtigte Kritik an der Führung seines Vereins und erhielt dafür eine drakonische Geldstrafe. Richtig, wir dürfen reisen wohin wir wollen, wir dürfen sagen was wir wollen, wir sind frei. Realistisch betrachtet sieht es natürlich ein wenig anders aus, denn vieles bedingt ausreichendes Kapital und dieses wird einem großen Teil der Bevölkerung immer mehr entzogen. Auch hierfür gibt es ein gutes Beispiel und dieses ist ganz und gar nicht banal. Bei Karstadt zum Beispiel, soll die Belegschaft auf Geld verzichten, damit der Konzern gerettet werden kann, wie so etwas ausgehen kann hat man gerade erst am Beispiel Quelle gesehen. Es wirkt so, als sollte hier mehr und mehr ein Billiglohnland entstehen und was einem die Freiheit auf dem Papier dann noch bringt, ist doch sehr fraglich. Natürlich ist dies nicht mit dem System der DDR vergleichbar aber eine gewisse Ähnlichkeit in der Grundrichtung ist durchaus erkennbar.

Aufbau Deutschland
In der heutigen Zeit ist es viel weniger eine körperliche Gewalt oder die Androhung dieser, als viel mehr ein psychologischer Kampf der auf der Ebene des Kapitals geführt wird. Die Auswirkungen sind auch immer mehr in Deutschland zu spüren, denn die psychosomatischen Erkrankungen und ähnliches steigen stetig an. Man sollte immer vor Augen haben und auch soviel Intelligenz mit sich bringen, dass man sieht, dass in den letzten 20 Jahren nicht alles Gold war, was glänzte und man sollte die Zukunft im Auge behalten, denn die eingeschlagene Richtung, die immer mehr die Wirtschaft vor die Gesellschaft stellt, ist bei weitem nicht in allen Details nur positiv. Die Versprechungen dessen, was dieser Wandel den Bürgern bringen sollte sind in den letzten 20 Jahren immer wieder nach hinten verschoben worden, auch dies zählt zu den Fakten 20 Jahre nachdem Mauerfall. Der neue Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sprach gar im Vorfeld des Jahrestages des Mauerfalls von einem Aufbau West, den es jetzt zu bewältigen gelte. Vielleicht sollte man in dieser Situation einfach einmal dieses Ost-West-Denken ablegen und sich überlegen, wie man Deutschland im ganzen wieder aufbaut und dies ohne das die Bürger weiter zur Kasse gebeten werden, für das was vermeintliche Experten aus der Wirtschaft aber auch aus der Politik vor die Wand gefahren haben.

Man darf sich als Bürger dieses Landes auch nicht davon blenden lassen, dass es vor dem Mauerfall in Teilen Deutschlands schlechter war und deshalb heutzutage alles einfach nur gut sei, denn diese Gleichung geht bei weitem nicht auf und es müssen Zeichen dafür gesetzt werden, dass die Schere zwischen den Armen und den Reichen in Deutschland nicht noch weiter auseinander geht. Der 20. Jahrestag des Mauerfalls war eine gute Möglichkeit in breiter Front zu zeigen, dass man auch auf die Zukunft achtet, allerdings blieb dies aus. Natürlich gab es da all die immer wiederkehrenden Floskeln, die beliebig sind und scheinbar nicht nur auf das SED-Regime passen aber das darf nicht alles sein. Gerade auch in Deutschland definiert sich Freiheit auch über Kapital, dies zeigt sich auch immer wieder sehr deutlich bei den Medien, denn desto größer die finanziellen Abhängigkeiten sind, desto eingeschränkter scheinen auch die Formen der Berichterstattung zu sein. Man muss auf den verschiedenen Ebenen darauf achten, dass Deutschland nicht in eine Diktatur des Kapitals abrutscht. Denn Diktatur ist Diktatur und dies gilt es für die Zukunft im Auge zu behalten und dagegen zu steuern, bevor es eines Tages wieder einmal zu spät ist.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Medien · Politik · Sport · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu