fairschreiben

Die Wahrheit des Wortes

fairschreiben header image 2

20 Jahre ein Deutschland

5. Oktober 2010

Am Sonntag war es soweit und man feierte 20 Jahre Wiedervereinigung. 20 Jahre ein Deutschland und wo steht das Land jetzt? Nur wenige Fragen im Kontext der Wiedervereinigung lassen sich jetzt schon abschließend klären, weil man natürlich auch immer den Gesamtkontext erkennen muss und hier redet man vom Ende des Kalten Krieges und den daraus resultierenden Folgen die letztendlich die ganze Welt betreffen. Einig sind sich zu mindestens die meisten darüber, dass der Einigungsprozess viel zu schnell verlief. Genau durch diese Geschwindigkeit ergaben sich aber immer größer werdende Probleme mit denen Deutschland bis jetzt zu kämpfen hat. Wirtschaftlich sind die Versprechen der Politiker nicht im Ansatz erfüllt worden und hier sieht man auch, warum man die menschliche Komponente der Wiedervereinigung so hoch hält, denn im Bereich Wirtschaft und Finanzen ist dies kaum möglich. 20 Jahre Wiedervereinigung lässt leider immer noch viel zu viel Platz für Kritik und die konnte man auch das ganze Wochenende bei den Feierlichkeiten in Bremen miterleben und man muss feststellen, dass es Unzufriedenheit im ganzen Land gibt.

Die Fehler der Vergangenheit
Als außerordentlich negativ muss man auch den Fakt einstufen, dass Deutschland aus den damaligen Fehlern nichts gelernt hat. Auch ganz aktuell gibt es Gebiete, gerade auch im Westen der Republik, denen es nicht gut geht. Anstatt hier mit, wenn auch manchmal schmerzhaftem, Realismus an die Sache heranzugehen, suggeriert man rosige Zeiten, ähnlich wie man es damals im Osten mit den Blühenden Landschaften, nach denen man bis in diesen Tagen vergeblich sucht, getan hat. So keimt 20 Jahre nach der Wiedervereinigung auch im Westen immer mehr Unzufriedenheit auf. Die Probleme werden flächendeckender und im politischen Berlin scheint man auch dies immer weiter zu ignorieren. Die großen Sieger der Wiedervereinigung, die in den Chefetagen der großen Unternehmen sitzen, haben damals ihr Geschäft gemacht und machen es auch noch immer fleißig weiter und das auf Kosten der Bevölkerung und ohne daran von der Politik gehindert zu werden.

Gerade erst wurde eine Badbank für die Hypo Real Estate (HRE) installiert, die den Steuerzahler weitere Milliarden Euros kosten wird. Gerade erst am Wochenende schaffte es Deutschland die Schulden des Erster Weltkrieges zu bezahlen, von den Kosten der Wiedervereinigung und eben den massiven Problemen in der Wirtschaft ganz zu schweigen. Man sieht, dass es hier um ein ganz großes Ganzes geht aber leider vergisst man dabei immer wieder die Menschen und die spüren dies immer deutlicher. Man hätte vor 20 Jahren mehr an die Menschen denken sollen, wie man deren Interessen auch in der heutigen Zeit mehr berücksichtigen sollte, denn ansonsten werden sich Szene, wie sie sich im Moment fast täglich in Stuttgart abspielen, an vielen Orten im Land abspielen. Beim Protest gegen Stuttgart 21, der in der letzten Woche sogar zu massiver Polizeigewalt geführt hatte und das im sonst so beschaulichen Baden-Württemberg, merkt man sehr deutlich, wie satt die Menschen diese Art der Politik haben.

Von Helmut zu Angela
In Stuttgart redet man davon, dass solche Projekte, wie zum Beispiel Stuttgart 21, nicht politisch instrumentalisiert werden dürften, was schon spannend ist, denn wenn man bei so etwas nicht von Politik spricht, stellt sich die Frage, wo man sonst von Politik sprechen sollte. Es gibt bei diesem Projekt politisch Verantwortliche, genau wie es sie auch im Kontext der Wiedervereinigung gibt und auf die sollte man schon in aller Deutlichkeit hinweisen. Helmut Kohl (CDU) gilt als Kanzler der Einheit und wurde am Wochenende auch wieder als dieser gefeiert, dann muss man aber auch sehen, dass er die Hauptverantwortung für die negativen Seiten trägt. Nur 20 Jahre später regiert seine Ziehtochter, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und man sieht hier schon eine klare Linie, die sich von damals bis in die Gegenwart durchzieht. Diese Ignoranz dem eigenen Volk gegenüber wird sich irgendwann rächen und wenn man sich dann auch noch anschaut mit welcher Arroganz zum Beispiel ein Bahnchef Rüdiger Grube in diesen Tagen in der Öffentlichkeit auftritt, kann man nur hoffen, dass er auch die Verantwortung trägt, wenn die noch immer nicht geklärten großen Probleme von Stuttgart 21 Realität werden. Dann wird er aber wahrscheinlich, wie sein Vorgänger Hartmut Mehdorn, Geschichte sein und die Schulden wieder am Volk hängen bleiben.

Man muss sich vor Augen halten, dass der Stil mit dem im Moment bei Stuttgart 21 vorgegangen wird, exakt der Stil ist mit dem man die Wiedervereinigung durchgezogen hat und diesmal sollen die Blühenden Landschaften auf einer neuen Fläche oberhalb des unterirdischen Bahnhofs entstehen. Wenn dem dann wieder nicht so sein wird und die Baukosten wieder überraschend explodieren, wird wieder keiner verantwortlich sein und man nicht verstehen, wie all dies passieren konnte und wenn man dann noch dem Volk erklärt, dass es über seine Verhältnisse lebt, führt dies zu noch mehr Unmut. So lange es Projekte gibt, die über die Köpfe der Bevölkerung entschieden werden aber das Volk zahlen soll, wird es Proteste geben und diese sind sehr wohl gerechtfertigt und in einer Demokratie auch durchaus zulässig, wenn dem einmal nicht mehr so sein sollte, ist der Punkt erreicht an dem wir nicht mehr in einer freiheitlichen Demokratie leben. Es scheint sich in den letzten 20 Jahren aber leider auch mehr und mehr in diese Richtung zu entwickeln. Auch dies zählt zu den großen Negativpunkten, an die man sich am Tag der Einheit auch viel mehr erinnern sollte.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter


Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft

Bis jetzt ohne Kommentar ↓

  • Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung

Schreib was dazu