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Die Wahrheit des Wortes

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100 Tage gute Unterhaltung

4. Februar 2010

Nun sind die ersten 100 Tage der neuen Regierung verstrichen und an jeder Ecke wird die Arbeit der sogenannten Tigerentenkoalition aus CDU, CSU und FDP bewertet und das Urteil fällt fast flächendeckend unterirdisch aus. Steuerlich gesehen, egal ob auf der Einnahmeseite oder bei den viel diskutierten Steuersenkungen, sieht es nicht gut aus. Dies gilt im übrigen auch für den Skandal um den Ankauf der Daten-CD auf der vermeintliche Steuersünder sein sollen. Aber auch große Probleme, wie ein scheinbar völlig marodes Gesundheitssystem oder die Thematik des Atomausstiegs, der wohl mehr und mehr zum Atomeinstieg wird, belasten diese ersten 100 Tage doch schwer. Ganz zu schweigen von dem Verlust des ersten Kabinettmitglieds in Rekordzeit und wenn man den Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hört, scheint auch hier das Ablaufdatum immer deutlicher zu erkennen zu sein. So sieht es Anafang Februar mit den Volksvertretern aus. Bleibt die Frage, wie reagiert das Volk?

Die sportlichen Comebacks des Jahres
Man hat im Moment das Gefühl, als hätte die Mehrheit der Bevölkerung wichtigeres zu tun, als sich mit der Politik im fernen Berlin zu beschäftigen. Vor dieser großen Gefahr der Selbstentmündigung der Bürger möchte dieser Artikel warnen. Natürlich versuchen die Medien und andere Protagonisten, die Menschen möglichst in breiter Front abzulenken, dies galt für die letzten 100 Tage und wird auch in Zukunft so sein. Man muss eben darauf achten, dass hier mindestens ein gutes Mittelmaß zwischen den verschiedenen Polen erhalten bleibt. Michael Schumacher, den viele noch als Schummel-Schumi kennen, scheint auch eines dieser Ablenkungsgenies zu sein. Sein vorletzter Comebackversuch wirkte doch zum Teil auch wie ein abchecken des Marktes, welches wohl positiv verlaufen ist, denn im Moment glänzt er letztendlich meistens durch Präsentationen und in der Werbung für einen neuen Flügeltürer von Mercedes. Nehmen wir den DSV-Skispringer Martin Schmitt, sein letztes Jahr endete so schlecht, wie das neue Jahr zu beginnen schien und dann kam das Aus durch ein Erschöpfungssyndrom für welches er seinen Sport verantwortlich machte und nun nach gerade einmal gut vier Wochen schon das Comeback. Man kann wohl festhalten, dass dies auch gerade im Kontext der in gut einer Woche in Vancouver beginnenden Olympischen Winterspiele, zu mindestens PR-technisch gesehen, ein Geniestreich von ihm war.

Wie viele überraschende Comebacks dieser Art es in diesem Jahr noch geben wird, wird sich zeigen, denn auch hier bietet dieses Jahr großes Potenzial. Im Sommer könnte mit der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika schon direkt das nächste Sommermärchen anstehen, auch wenn es eigentlich eher ein Wintermärchen sein dürfte, da am Austragungsort Winter ist. An dieser Stelle dürfte dann natürlich manch Fußballfan aus Europa und damit auch aus Deutschland, aus seiner schönen Unterhaltungswelt ziemlich hart in der Realität aufschlagen. Die Medien sind natürlich bemüht den Menschen im Moment zu erklären, wie sicher es dort unten am anderen Ende der Welt doch ist und die FIFA zusammen mit den örtlichen Veranstaltern garantieren laut ARD-Informationen auch für die Sicherheit der Fans. Dies gilt allerdings nur für die Spielorte, die Hotels und die Transfers. Man sieht die Unterhaltung ist gesichert. Dies gilt aber nicht dafür, wenn man Land und Leute kennen lernen möchte und 18.000 Todesopfer pro Jahr durch Gewaltverbrechen, sprechen irgendwie für sich selbst. `The show must go on` scheint auch hier die Devise zu sein. Genau diesen Ansatz kennt man von sportlichen Großveranstaltungen, wie zum Beispiel den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking, noch zu gut. Auch hier ließ man sich damals durch negative Fakten, wie zum Beispiel Menschenrechtsverletzungen in China, nicht von der Gewinnmaximierung abbringen.

Die musikalischen Highlights des Jahres
Natürlich macht der Sport nur einen kleinen Teil der Unterhaltung, die einen scheinbar von den Realitäten der Wirtschaft und Politik ablenken soll, aus. Ein großes anderes Feld auf diesem Gebiet ist die Musik mit der dazugehörigen Industrie und da zeichnet sich im ersten Jahr dieses neuen Jahrzehntes auch wieder einiges ab. Mit der Neuauflage von `We are the world`, 25 Jahre nachdem damit Hilfe gegen das Leiden in Afrika geleistet wurde, beweisen die Protagonisten der heutigen Popkultur, wie es um ihre Kreativität bestimmt ist, wenn es um Hilfsprojekte wie dieses für Haiti geht. Kein gutes Zeugnis, welches die geistigen Erben von Michael Jackson dort ablegen. Wenn man über das Niveau dieser Branche in der heutigen Zeit schreibt, darf natürlich einer nicht fehlen, Stefan Raab, der scheinbar noch immer auf der Jagd nachdem Titel des besten Volksverdummers der Nation ist. Auch in diesem Jahr unterhält er die Massen wieder einmal mit seinem Beitrag im Kontext des Eurovision Song Contests. In dieser speziellen Castingshow begleiten ihn der alternde Musiker Marius Müller Westernhagen und das ehemalige RTL-Sternchen Yvonne Catterfeld. Also durchaus Menschen von denen man denken könnte, sie hätten ihre besten Tage schon einige Zeit lang hinter sich gelassen. Diese Art von Unterhaltungsprogramm kennt man von den Privaten nun im ausreichenden Maß, erschreckend ist nur das die Öffentlich-Rechtlichen sich nun auf diesem Gebiet auch immer mehr niederlassen.

In diesem Jahr hilft die ARD Stefan Raab bei seiner so genannten `nationalen Aufgabe` und beteiligt sich an der Vorauswahl und richtet unter anderem am 12.03.2010 live die Vorentscheidung für Oslo aus. Dieser Trend bei den Öffentlich-Rechtlichen sich immer mehr einer gewissen Art von Unterhaltungsformaten hinzugeben, die man eigentlich eher ganz klar den Privaten zu ordnen würde, ist zum Teil beängstigend. Denn, wie die zu Beginn angesprochenen ersten 100 Tage der neuen Regierung gezeigt haben, hat dieses Land arge Probleme, welche im Moment noch halbwegs dadurch im Zaum gehalten werden, dass man scheinbar die Gelder der nächsten Generationen einfach so verbrennt. Man sieht an dieser Stelle ganz eindeutig, dass es wesentlich wichtigeres gibt, als Einschaltquoten. Es wäre wirklich sinnvoller mehr politische und wirtschaftliche Aufklärung zu betreiben und dies für eine breite Masse und nicht nur in Spartenkanälen wie Phoenix, wie es im Moment der Fall ist. Man darf wohl auch von der ARD erwarten, dass eine ordentliche Auseinandersetzung mit dem was dieser Tage in der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft geschieht höher anzusiedeln ist, als Stefan Raab bei seiner mehr oder minder unterhaltsamen nationalen Aufgabe zu helfen. Man sieht für Unterhaltung ist auch wieder in den nächsten 100 Tagen gesorgt, man sollte nur auch dafür sorgen, dass die Lebensumstände in Deutschland auf längere Sicht so gesichert sind, dass man sich mit dieser überhaupt noch auseinandersetzen kann und mag. In diesem Sinne: Gute Unterhaltung!

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Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Gesellschaft · Kultur · Medien · Politik · Sport

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