10 Jahre Krieg in Afghanistan
5. Dezember 2011
Heute beginnt die Afghanistan-Konferenz im alten Bundestag in Bonn und es sieht nicht gut aus oder besser gesagt, es sieht so schlecht aus, dass man diese ganze Veranstaltung doch massiv in Frage stellen muss, da natürlich auch hier wieder riesige Summen verbrannt werden. Denn auch nach zehn Jahren eines erbitterten Krieges am Hindukusch, sieht es nicht sehr viel besser, als zuvor auch. Die Prognosen, wie es nach dem Abzug der westlichen Truppen weitergehen soll, sind auch sehr finster. Dank der USA gibt es noch ein weiteres Problem bei dieser Konferenz, denn das Land, welches die Schlüsselrolle trägt, Pakistan, ist nicht dabei. Vor einigen Tagen bombardierten US-Streitkräfte einen pakistanischen Grenzposten und töteten dabei 24 Angehörige des pakistanischen Militärs. Dies ist nun in relativ kurzer Zeit schon die zweite schwere militärische Provokation der USA gegen Pakistan, denn schon die Tötung von Osama bin Laden war auf Protest gestoßen, um es sehr vorsichtig zu formulieren. Bei einer solchen Gesamtlage darf es niemand wundern, dass sich Pakistan auf eine westliche Invasion vorbereitet, da man einen Angriff der USA befürchtet und diese kommen nun einmal immer seltener allein. Man sollte bei dieser Konferenz in der ehemaligen Bundeshauptstadt aber auch nicht den Grund dieses völlig sinnlosen Krieges aus dem Auge verlieren.
Karsai bangt um seine Macht
Der afghanische Präsident, Hamid Karsai, hat ebenfalls große Vorbehalte im Kontext der Afghanistan-Konferenz, fürchtet er dort doch endgültig entmachtet zu werden. Aber die Befürchtungen gehen an anderer Stelle noch viel weiter. So soll es laut geheimen Papieren der Bundeswehr auch dort die klare Auffassung geben, dass Afghanistan nach dem Ende der westlichen Besatzung sehr schnell wieder im alten Chaos versinkt. Dieser gesamte Krieg basiert auf den Geschehnissen von 911, also auf etwas, was bis zum heutigen Tage auch noch nicht einmal im Ansatz, als überzeugend aufgeklärt gelten kann. In Afghanistan einzumarschieren, war vom ersten Tag an ein grober Fehler, waren doch zuvor noch die Russen gescheitert. All dies, was man nun erlebt, ist keine Überraschung, sondern letztendlich genau das, was zu erwarten war. Da ist es natürlich spannend herauszufinden, was die tatsächlichen Beweggründe für all dies waren. 911 wirkt, wie vieles in diesem Spiel, auch an dieser Stelle wieder nur, wie eine ganz schlecht zusammengezimmerte Erklärung. Ähnlich sieht es übrigens auch aus deutscher Sicht aus, denn bei den Prognosen, die schon im Vorfeld dieser Konferenz im alten Bundestag bekannt wurden, steigt mit dem Abzug der westlichen Besatzer eben auch die Gefahr, die von diesem Land ausgeht massiv an und man fragt sich, was mit der Verteidigung der deutschen Sicherheit am Hindukusch ist?
Die Verteidigung, genau dieser Sicherheit, war ein Hauptgrund, um nicht zu sagen der Hauptgrund, warum man sich an diesem Vorhaben überhaupt erst beteiligte und plötzlich hört man an dieser Stelle gar nichts mehr. Dies wirft die Frage auf, ob die Sicherheit Deutschlands plötzlich keine so große Rolle mehr spielt oder ob es die Bedrohung in Wirklichkeit eigentlich nie gab. Wie immer wieder erwähnt, veränderte 911 die Welt, wie lange nichts mehr zuvor und ein Jahrzehnt, über welches man in diesem Kontext nun spricht, ist, wenn man von einer Neuordnung der Welt ausgeht, auch nicht gerade unendlich viel Zeit. Es scheint hier doch ein großes Ganzes zu geben, was noch nicht klar zu erkennen ist. Warum verschiebt sich der Fokus immer mehr auf Pakistan, auch wenn die AfPak-Strategie nichts wirklich Neues ist. Was hat mit alldem der Iran zu tun, wo man eigentlich auch stündlich darauf wartet, dass ein weiterer blutiger Krieg ausbricht und diesmal unter einem Friedensnobelpreisträger, Barack Obama, der sich sicher scheint, dass man dort an einer Atombombe baut. Sein Amtsvorgänger, George W. Bush, war sich übrigens in anderen Länder, mit anderen kriegsauslösenden Fakten auch immer ganz sicher, von denen später meist nicht viel übrig blieb. Nun findet die Afghanistan-Konferenz allerdings traditionell nicht in den USA, sondern in Deutschland statt und vielleicht sollte man diese Chance viel mehr nutzen.
Die Sicherheit vor den Toren Teherans
Eine massive militärische Ausweitung des Krieges auf Pakistan, die im Übrigen eine Atommacht sind, ist eine weitere Potenzierung der Gefahrenlage, die man im Moment in der Region schon vorfindet und nichts anderes. Stellt man sich dann noch vor, dass es vielleicht bald schon heißen könnte, dass die deutsche Sicherheit vor den Toren Teherans verteidigt werden muss und man sich allein nur vor Augen hält, wie viel Horror und Leid allein der Krieg in Afghanistan für deutsche Soldaten und ihre Angehörigen bedeutet hat, müsste eigentlich klar sein, dass man sich überlegen sollte, wie nah man zukünftig noch an der Seite der USA stehen möchte. Die USA sind nicht nur militärisch in Afghanistan gescheitert, sondern vor allem auch wirtschaftlich im eigenen Land und man weiß, dass die USA so etwas gerne mit einer ganz eigenen Lösung versuchen zu lösen und hier heißt es, man zündelt irgendwo auf der Welt, Hauptsache weit genug entfernt vom eigenen Territorium. Bislang hat Europa, gerade auch im Kontext des letzten Kriegs im Irak, immer noch Glück gehabt, vielleicht sollte man sein Glück aber an dieser Stelle besser nicht versuchen auszureizen. Im Klartext bedeutet all dies vor allem eins, man sollte die Afghanistan-Konferenz dazu nutzen, sich klar von den USA zu distanzieren und deutlich machen, dass der Krieg in Afghanistan in der Hauptsache das Problem der USA ist.
Um noch einmal auf das Problem des amerikanischen Wirtschaftssystems zurückzukommen, auch hier hat man Europa sehr tief mit in den Abgrund gerissen und auch hieraus sollte man für die Zukunft lernen, was natürlich auch ganz besonders für Deutschland gilt. Nun kurbeln all die Kriege vom Irak über Afghanistan bis nach Libyen vor allem die Konjunktur in der Rüstungsindustrie an und man hat, wenn es halbwegs im amerikanischen Sinne läuft, nachher auch gute Geschäftsaussichten im Kontext des Wiederaufbaus. Auch hier sollte man sich überlegen, wenn man sich schon auf ein so menschenverachtendes Geschäftsmodell einlässt, ob man nachher auch in dem Maße profitiert, wie es für das Risiko angemessen scheint. Genau diese Rechnung ist bislang scheinbar nicht bestens kalkuliert worden und ging nur mit sehr viel Glück in Bezug auf die Sicherheit in Deutschland gut aus. Nimmt man nur die Soldaten die am Hindukusch fielen oder aber deren Leben dort gänzlich ruiniert wurde, geht die Kalkulation schon kaum noch auf. Die Fakten sind bekannt, nun darf man gespannt nach Bonn blicken und schauen, ob man hier zu mindestens noch irgendein halbwegs annehmbares Ergebnis findet oder ob es nur einen weiterer Meilenstein auf dem Weg in eine noch blutigere und unsicherere Zukunft gibt. Wer hätte schon gedacht, dass gut 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges, die Bedrohungslage auf dieser Welt wieder so beängstigend ist und schon wieder geht es vor allem nur darum die Position der USA in der Welt zu stärken und dies sollte man auch realisieren.
Kategorie: Ein Kommentar zur Woche · Europa · Gesellschaft · Politik · Wirtschaft































Bis jetzt ohne Kommentar ↓
Bisher noch ohne Kommentar - Fang an und sag Deine Meinung
Schreib was dazu